Alpawand (1.671 m) NW-Wand

»Best of Genuss« VIII– (eKN VII)

»Im Rausch der Tiefe« VIII (eKN VIII)

Am 7. Oktober 2014 um 16.02 Uhr trugen wir unsere
vorerst letzte Alpinroute ins Wandbuch der »Best of Genuss
« ein. Nachdem Nicole schon seit längerer Zeit nicht
mehr ständig nur durch die Alpen ziehen mag, möchte
ich ihr an dieser Stelle einfach mal ein riesengroßes
Dankeschön für ihre Geduld und meinen allergrößten
Respekt für das Geleistete aussprechen. Das ist keineswegs
selbstverständlich und verdient Hochachtung!
Beim Blick in unsere Bücher werden die Erinnerungen
an eine fantastische Zeit immer lebendig sein.
Diese Route war ein wahrhaft würdiger Abschluss unserer
»Alpenrundreise«. Und offenbar waren auch die
Erstbegeher von ihrer Kreation so überzeugt, dass sie
nicht davor zurückschreckten, uns freiwillig ihr Topo
via E-Mail unter die Nase zu reiben, obwohl sie von
Anfang an eine enorme Abneigung gegen unser Buchund
Internetkonzept entwickelt hatten. Dabei hatten
wir sie anfänglich nur auf die Problematik ihrer Selfmade-
Klebehaken hingewiesen und sogar angeboten,
diese zusammen mit ihnen auszutauschen. Darüber
hinaus macht ein ordentlich gezeichnetes Topo mit
entsprechenden Zusatzinformationen nun mal Arbeit.
Warum sollten wir dies alles kostenlos anbieten? Da
verdienen die allseits bekannten anderen Verlage mit
ihren »Konzepten« und Werbeeinnahmen sicher mehr
und einfacher Geld als wir. Eines ist jedoch klar: Wer
eine vom Mainstream abweichende Meinung öffentlich
macht, schafft sich nicht nur Freunde! Doch wie
sonst hätten wir etwas bewegen können? Mit »Ja-Sagern
« und »Schulterklopfern« funktioniert das nicht!
Doch zurück zur Route! Die Felsqualität an der Alpawand
ist außerordentlich und etwas ganz Besonderes.
Und die Erstbegeher hatten hier wahrlich eine gute
Spürnase! Sie dürften mittlerweile mehr als 100 mal
dort hochgepilgert sein, um für Wiederholer weit
über tausend Bohrhaken zu versenken. Wie sie selbst
schreiben, haben sie keine »Monumente der eigenen
Kühnheit« hinterlassen. Bei der Absicherung fehlt es
an nichts, und selbst die anfangs verwendeten Selfmade-
Klebeanker sind nun Geschichte.
Leider trocknet die Wand nur nach langen Schönwetterperioden
(gibt es die dort überhaupt...?) richtig ab.
Bei einem Besuch sollte man sich also immer auf einige
feucht-glitschige Passagen einstellen. Denn auch
die »Best of Genuss« ist ein Wunderwerk des Wassers
und verläuft, wo immer möglich, auf den megazerfressenen
Wasserstreifen der Wand. Die ersten zwei
bis drei Längen müssen noch als Zubringer gesehen
werden. Danach gilt es, Mund und Schuhe abzuwischen,
und ab geht die Post im steilen Vergnügen. Dabei
verlangen die folgenden Längen durchaus etwas
Technik und können nicht mal eben so abgespult werden.
Nach dem steilen Mittelteil geht’s dann deutlich
flotter Richtung Ausstieg und zu einem begeisternden
Finale. Dort freut der Franke sich so richtig und kann
entsaften. Zufrieden mit sich und der Welt schlendert
er dann durch die märchenhafte Umgebung zurück
ins Tal.
Allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der
Name der Route nur für Kletterer zutrifft, die 15 Seillängen
im sechsten und siebten Grad zügig klettern
können. Die bisherigen Schwierigkeitsgrade wurden
wohl eher für einen Genussführer »optimiert«.
Wer den »Rausch der Tiefe« erleben möchte, sollte
ein gutes Stehvermögen sowie eine solide Konzentrationsfähigkeit
für die anhaltenden technischen
Schwierigkeiten mitbringen.
Es überwiegt steile
Wand- und Plattenkletterei, für die ein sicheres Kletterniveau
im achten Grad nicht nachteilig ist. Die
Schwierigkeitsangaben der Erstbegeher haben wir
teilweise um zwei Drittel bis einen ganzen Grad angehoben.
Während die ersten vier Seillängen noch
etwas sandig sind, wird der Fels nach oben hin immer
besser, aber auch teilweise eine Spur glatter.
Insgesamt vielleicht nicht ganz so brillant wie die
»Best of«, aber natürlich trotzdem eine hervorragende
Route.

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