Die ersten Worte, die man auf Spanisch lernt oder hört lauten nicht selten "mucho viento" . Danach folgen wohl "venga", die '"puta madre" oder "hace buon tiempo". Im Winter 2026 traf all das wieder voll ins Schwarze.
Doch der Reihe nach...
Die Anreise führte uns wie immer zu den Zwischenstationen nach Südfrankreich. Nach 25 Jahren besuchten wir mal wieder das altehrwürdige Klettergebiet bei der Grotte de Demoiselles, oberhalb von Thaurac. Hoch oben über dem Herault liegt es hübsch auf einer Sonnenterasse. Einzig die inzwischen höheren Bäume lassen den Sichernden am Morgen etwas frösteln. Der Vorsteiger hingegen kommt angesichts der ehrlichen Bewertungen und der "oldschool-Kletterei" vielleicht gleich ins schwitzen.
Weiter ging die Reise nach Saint Jean de Bueges, dessen Abgeschiedenheit uns schon vor zwei Jahren gut gefiel. Auch hier darf man eine Ethik Ewiggestriger erwarten, was jedoch Fels, Kletterei und dem Ambiente keinen Abbruch tut.
Nachdem der spanische Wetterfrosch immer noch Regen und viel Wind vorhersagte, in Südfrankreich jedoch bestes Bergwetter herrschte, stießen wir beim Stöbern auf einen relativ neuen Sektor bei Tautavel und verbrachten dort einen weiteren schönen Klettertag.
Doch als Gourmetkletterer wollten wir nach über einer Woche Hausmannskost nun endlich mal wieder etwas "Außergewöhnliches" unter die Finger bekommen. Dafür blieb uns nichts anderes übrig, als weitere 800 km Richtung Südwesten unter die Räder zu nehmen. Zwischenstopps zwecklos!
Vom Bekannten zum Unbekannten
Ein Glücksfall waren die warmen Temperaturen zum Anfang des Jahres. Und so konnten wir mehrfach in schattigen Nordwänden klettern. Im Winter ein eher komisches Gefühl, was so gar nicht in die Zeit passt. Im "Niemandsland" von Vallada waren wir sogar allein unterwegs. Selbiges erfreute uns im "Rincon Bello" bei Petrer. Lediglich die lokalen Einbohrer kamen am späten Nachmittag zum Routentesten vorbei. Da steigt die Vorfreude auf ein Wiederkommen im nächsten Winter.
Nur einen Steinwurf über den "Berg" bot sich eine Erkundung von Busot und dem Cabeco d'Or an, den wir nach nur wenigen Stunden adacta legten. In Busot herrscht eintönige Plattenkletterei vor, die Prunkstücke in der großen Grotte und der Sherpa-Sektor sind unter dem Vorwand des Vogelschutzes inzwischen gesperrt und für den Klettersport nahezu verloren. Letzteres war die leider sehr negative Überraschung des Winters.
Wir müssen draussen bleiben!
Niemals hätte ich auch nur im Traum daran gedacht in Spanien eine verschärfte "Deutsche Version" von Sperrungen zu erleben. Hier kam in kürzester Zeit eine Lawine ins rollen, die nur extrem schwer zurückzudrehen sein wird. Die Ökonazis sind auf dem Vormarsch und haben ganze Arbeit geleistet. Wer künftig ein Gebiet ansteuert, sollte sich dringend vorab auf spanischen Regierungsseiten über eventuelle Sperrungen informieren. Denn nur die Fahrt dorthin ist umsonst, der Sprit kostet Geld. Und Urlaubstage sind kostbar.
Seit über 20 Jahren leben Geier und Adler in Eintracht mit den Kletterern. Sie sind neugierig und stören sich nicht im Geringsten am Treiben der "Bunten Vögel". Genau wie im Verdon, wo sie, wie fast überall vom Menschen, angefüttert werden und an ihn gewöhnt sind. Es muss also andere Gründe für Sperrungen geben, die sich mir nicht erschließen und spekulativ sind. Nur eines liegt klar auf der Hand. Kletterer haben keine Lobby und können dem Treiben der Behörden nur ohnmächtig zuschauen. Was für eine traurige Entwicklung, die nun auch in Spanien und großen Teilen Frankreichs Realität wurde und auf die wir jedes Jahr gebetsmühlenartig hinweisen. Wir ALLE engagieren uns einfach nicht, sondern konsumieren lieber! Doch das ist vielenortes nun vorbei! (Montanejos, Margalef - eine separate Geschichte, Teile von Montsant, Cieza, Redovan - teilweise, viele Gebiete rund um Valencia, Teilsperrungen in Etxauri, Aixorta, Ayna, Ager, Terradets, Alcoy, Horta de St. Joan und viele mehr!
Die Tage wurden länger, der Rückreisezeitpunkt rückte näher aber der Wind wurde nicht weniger. Im Gegenteil! Seit drei Wochen liegen wir "seekrank" bei Böhen von über 100 km/h nachts im Bus. Und tagsüber hängt das Seil quer in der Luft.
In den neuen Gebieten von Pinet war es dann bei den "Flintstones" am ungastlichsten. Und so machten wir uns auf den Weg über den Apfelsinenäquator und nahmen Kurs auf das magische Dreieck von Margalef, Siurana und Montsant.
Mit Schwung fuhren wir von Margalef ins "Valley" Richtung Panta, bevor uns eine Schranke zur Vollbremsung zwang und den Weiterweg versperrte. Ich war fassungslos! Es war einer meiner traurigsten Tage in meinem Kletterleben. Wir liefen noch zum Sektor "Can Torxa" - dort wo alles begann - und ich kletterte mit Pipi in den Augen dort noch einmal meine ersten und nun zugleich letzten Routen dort.
Einige wenige haben ihr Ziel erreicht und viele die sich ordentlich benommen haben, werden in Sippenhaft genommen. Die Story von der Auferstehung und dem Niedergang Margalefs könnt ihr hier lesen.
Irgendwie war damit die Luft raus. Denn auch in Siurana und Montsant sind erste ähnliche Anzeichen zu erkennen. Orte in denen ich mein halbes Kletterleben verbrachte. Wo es die wohl höchste Konzentration an qualitativ hochwertigen und schweren Routen weltweit gibt. Wo mich die Gemüse- und Metzgersfrau aus Cornudella immer noch herzlich begrüßt und kennt. Das liebenswerte alte Ehepaar der Bar Can Vernet. Dort wo es "menschelte", wo es sich anfühlte, wie nach Hause zu kommen. All das scheint vorbei und Geschichte. Und das nicht nur wegen einiger Trottel, die sich viele Jahre daneben benommen haben, sondern auch weil wir alters- und gesundheitsbedingt kleinere Brötchen backen müssen. Nicht mehr jede Leiste durchziehen und erreichen können. Unter all den fantastischen Linien vorbeilaufen, wo wir gefightet haben. Wo Erinnerungen wach werden und lebendig bleiben. Mal mit Erfolg, mal mit hängendem Kopf. Jetzt trotten wir davon. Mit alldem im Herzen und Leuchten in den Augen, beim Anblick dieser wunderbaren Landschaft und Farben.
Wer sich nun wundert, dass wir keine detailierten Infos zu den Gebieten mehr veröffentlichen, schaut einfach bei "mountain4nothing", kauft aktuelle Führer von Menschen, die für ihre Arbeit auch Geld haben möchten (ja so etwas soll es noch geben...) oder geht selbst auf Entdeckungsreise und schaut euch vor Ort um.
Maineck, im Spätwinter/Frühling, wo wir 14 Tage eine spanische Verlängerung bekamen.
Volker Roth
Es sind noch keine Einträge vorhanden.