Wir schreiben die Jahrtausendwende. Wie in einem Italowestern weht es Sträucher, Büsche und Abfall über die Hauptstraße von Margalef. Fensterläden klappern und quitschen. Der Ort ist ausgestorben. Doch ein Mensch hat eine Vision. Jordi Pou, Routenerschließer der ersten Stunde und "Hüttenwirt" einer kleinen "Behausung" für Kletterer.
Beim ersten Anblick kann man kaum glauben auf so einem "Kartoffelacker" zu klettern.
Im Laufe der letzten 25 Jahre hat sich hier einer der weltweit besten Kletterspots entwickelt. Weit über die europäischen Grenzen hinaus bekannt und beliebt. Zwischenzeitlich wurde sogar von der Gemeinde die unfahrbar gewordene Piste zum Espadelles-Sektor für sehr viel Geld betoniert.
Viele Winter haben wir hier im Wechsel mit Siurana verbracht. Die Erlebnisse sind unlöschbar auf der Festplatte eingebrannt. Die "ultima ora" auf dem Balco über der Ermita. Das "Pais de monos". Das Land der Einfingerlöcher. Der immer gut gelaunte Iker und seine tollen Routen und Projekte. Vicent der unermüdliche "Arbeiter". Die beiden altehrwürdigen "Barkeeper". Die kleine Tienda, die erst durch die Einkäufe der Kletterer wiedereröffnete.
Kurzum, die Kletterer haben dem Ort wieder Leben eingehaucht. In der Bar herrschte schon bald wieder quirliges Treiben. Die Menschen erlebten ihren zweiten Frühling - ein kleines Wunder.
Doch die zunehmende Beliebtheit überforderte die kleine Gemeinde und niemand wusste sich so recht zu helfen. Es kam wie es kommen musste: Margalef ist "abgeriegelt". Die Zugänge zu den beiden Tälern sind nur mit Voranmeldung per App und gegen Gebühr möglich, die Zahl der Besucher ist jedoch limitiert. Spontane Kletterausflüge werden dadurch sehr eingeschränkt. Übernachten ist nur noch auf dem zentralen Camping im Ort oder in einer der wenigen Unterkünfte gestattet. So weit die Fakten (Stand Winter 2025/2026).
Die Zugangsbeschränkungen sind Ausdruck einer Hilflosigkeit. Es wurde keine Möglichkeit gefunden, die zuweilen zahlreichen Besucher, die sich daneben benommen haben, in die Schranken zu weisen. Der Tross zog weiter und hinterließ eine Spur der Verwüstung.
Dabei bin ich mir gar nicht so sicher, ob es wirklich an diesen oder den reinen Besucherzahlen lag oder ob nicht einige wenige sich nach Ruhe sehnten und wie in vielen Orten dieser Welt, gerne für sich allein beanspruchen. Oft sind diese Menschen sehr einflussreich. So auch in Margalef?
Allein das Gefühl "ausgesperrt" zu sein macht wütend. Von den paar Euros, für die sich eigentlich niemand etwas kaufen kann ganz abgesehen, sind die Installation und die Unterhaltung des "Systems" sicher teuerer als der Nutzen. Viele parken schon vor der Schranke, bilden Fahrgemeinschaften oder haben Fahrräder dabei. Bisweilen bleibt es beim "stillen" Protest. Doch was passiert, wenn wir immer weiter in die Enge getrieben werden?
Wenngleich es diese "Wegelagerer" auch in den Alpen gibt, wo ebenfalls schon ganze Täler für die Öffentlichkeit gesperrt wurden, macht es sprachlos, was hier geschehen ist. Wie es überhaupt so weit kommen konnte.
Sind wir als Gesellschaft nicht verpflichtet uns den freien Zugang zur Natur zu erhalten? Besucherströme so zu lenken, dass alle Beteiligten damit leben können? Aufeinander zuzugegehn. Rücksicht zu nehmen! Ein Wort das viele, die von TikTok, facebook und youtube erzogen wurden, nicht mehr kennen. Als Gesellschaft sind wir hier in der Pflicht gegenzusteuern. Nicht wegzuschauen oder zu -laufen. Oder wie die Spanier sagen: necesitas cojones!!
Danke an alle, die Eier in der Hose haben!
Volker Roth
ERINNERUNGEN















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