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Leben mit kleinem Fußabdruck

Vom Einfamilienhaus ins Tinyhouse, um selbstbestimmt im Alter leben zu können

Du marschierst stramm auf die 60zig zu, bekommst keine oder nur eine geringe Rente und hast Grund- und Hausbesitz, der bekanntermaßen „immobil“ ist. Kredite wirst du in diesem Alter keine mehr bekommen. Da ist guter Rat teuer und allein die Entscheidung sich von alten Gewohnheiten und deinem Umfeld zu verabschieden ist für niemanden leicht.

Mit meinen Erfahrungen möchte ich Denkanstöße geben und eine Entscheidung vielleicht etwas erleichtern.

Zunächst einmal war es mir wichtig meine Lebensentscheidungen - soweit möglich - in der eigenen Hand zu behalten. Dazu zählt natürlich in erster Linie ein selbstbestimmtes Leben und der dazu nötige finanzielle Spielraum. Auch aus relativ wenig kann man viel machen!

Mein Leben war geprägt durch meine selbständige Verlagsarbeit bei topoguide.de. Der Fokus lag eindeutig auf dem Klettersport mit allen seinen Facetten.

Trotz sehr hoher Einkünfte in jungen Jahren aus nichtselbständigen Tätigkeiten – ich arbeitete als Exportleiter eines mittelständischen Unternehmens - bekomme ich einen Rentenbescheid unter der Armutsgrenze.

Dazu noch das kontinuierlich steigende Renteneintrittsalter. Und was vielleicht künftig noch so alles aus dem Hut gezogen wird, damit sich die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter öffnet.

Das alles ist kaum zu glauben und schwer zu ertragen aber die „demokratisch legitimierte“ Realität.

Was bleibt uns, außer im Rahmen der eigenen Möglichkeiten, die für sich besten Entscheidungen zu treffen?

Glücklicherweise lebte ich in einer Zeit, wo Immobilien leistbar waren. Mit vererbtem Grund- und Boden war es damals ein „Einfaches“ im ländlichen Raum der Fränkischen Schweiz ein Haus zu bauen. Die „Fränkische“ war ein strukturschwaches Gebiet wo niemand hin wollte. Grund und Boden wurden für 30 Deutsche Mark verkauft. Mit viel Eigenleistung konnte ich ein Haus bauen. Der wohl wichtigste Schritt für meine Unabhängigkeit. Einem selbstbestimmten Leben stand nichts mehr im Weg. Außer ein paar zweifelnde Worte älterer Freunde und Familie. „So einen sicheren, tollen Job gibt man doch nicht einfach so auf“. „Und was willst du machen, wenn du in Rente bist?“ Das waren die meistgestellten Fragen. Frühe Todesfälle in meiner Familie machten mich damals schon nachdenklich. Heute kann ich sagen: Es war die beste Entscheidung meines Lebens! Äußerst disziplinierte Sparsamkeit ermöglichte es mir mit wenig Einkommen ein freies und unabhängiges Leben zu führen. Und so sollte es auch im Rentenalter weitergehen.

Schon damals beim Hausbau und bedingt durch meine gewählte Lebensform war meine Entscheidung klar, dort nicht bis ins Rentenalter bleiben zu können. Ich hätte für eine komplett ungewisse Zukunft planen und arbeiten müssen. Die Blütezeit meines Lebens wäre an mir – wie an so vielen Menschen – vorbei gegangen. Ergo war klar: das Haus muss so konzipiert sein, um es nach 20-25 Jahren wieder verkaufen zu können. Eigentlich also viel zu groß. Doch der Deutsche liebt es nun mal so. So lange er es sich leisten kann...  

Mir hingegen schwebte schon immer ein kleines Holzhaus vor. Geprägt von einem einfachen, rudimentären und enthaltsamen Leben, benötige ich heute nicht mehr als in einem Campingbus untergebracht werden kann. Was lag also näher als mein Haus zu verkaufen und in ein kleines Holzhaus zu ziehen, so wie ich mir es immer schon wünschte. Hier leben wir nun in unserem "Zinipi" auf gemütlichen 40m² Wohnfläche.

Leichter gedacht als getan!

Der Teufel steckt nicht nur im Detail sondern sitzt dir tagtäglich bei deinem Gedankenkarussell im Nacken.

Baugrund wird auf dem Land nur in äußersten Notlagen verkauft. Neue Baugebiete werden kaum noch erschlossen. Und wenn, werden sie von „Neureichen“ mit Villen bebaut. Der Rest kommt von der „Stange“ als Familienbunker. Quadratisch, praktisch, einer wie der andere. Und weiß/anthrazit mit Schottergarten, ohne Blumen, Sträucher oder Bäume. Solche Orte sind für mich, nach all den Jahren in den schönsten und ruhigsten Regionen der Alpen nicht lebenswert. Also vielleicht eher ein Freizeitgrundstück am Waldrand? Doch auch hier macht man die Rechnung ohne die deutsche Bürokratie. Dauerhaftes Wohnen ist dort rechtlich nicht möglich. Und böse Nachbarn oder Menschen gibt es leider überall. Im Wohnmobil umherziehen mochte ich auch nicht ständig. An einen schönen Ort zurückkehren zu können, um dort Ruhe und neue Kräfte zu finden, ist mir wichtig.  

Bleibt also nur ein Kompromiss oder der glückliche Zufall das zu bekommen, was man sich wünscht oder gar erträumt. Rechtssicherheit ist dabei nicht unerheblich. Sonst hätte ich längst nach Spanien oder Südfrankreich ziehen können. Aber warum auch?

Wichtig ist doch nur die Freiheit zu jeder Zeit dorthin aufbrechen zu können, wohin man möchte. 

Es glich einer Herkulesaufgabe mein Haus zu verkaufen, gleichzeitig ein Grundstück zu finden und neues Domizil in Auftrag zu geben und dabei ohne festen Wohnsitz (OFW im Beamtendeutsch) die Zeit zu überbrücken. Letzteres war für uns im Campingbus kein Problem aber über einen Zeitraum von 4-5 Monaten durchaus eine Herausforderung, selbst für uns als Nomaden.

Viele „Meilensteine“ mussten abgearbeitet und erledigt werden. Und nachdem ich gefühlt 25 Jahre auf einem anderen Planeten lebte, wurde ich mit voller Wucht zurück ins reale deutsche Gesellschaftsleben katapultiert. Als die Notartinte trocken, das Geld auf dem Konto war und das Haus in Auftrag, dachte ich, daß sich der Rest schon fügen wird und wir bald wieder auf Achse in den Alpen sind. Dort einen weiteren unbeschwerten Sommer verbringen und in ein „gemachtes Nest“ im Herbst einziehen können. Wie blauäugig kann ein Mensch nur sein...?

Mit tollen, hilfbereiten und fachlich kompetenten Menschen bauten wir erst einmal einen Holzschuppen, um unser ganzes „Gerümpel“ unterzubringen. Dabei hatten wir dies schon auf unter 75m³ zusammengeschrumpft.

  

Die deutsche Bürokratie

Was danach folgte kann man gar nicht in Worte fassen. Es war ein Hindernislauf durch die deutsche Bürokratie, wie man es sich nicht einmal in den unbeschreiblichsten Alpträumen erdenken kann. Kleine Fehler – man könnte es auch „Korinthen...“ nennen, wurden gnadenlos abgestraft. Ich möchte hier gar nicht mehr ins Detail gehen! Seit vorgewarnt. Es ist unvorstellbar, was euch hier erwartet!

 Noch schlimmer kam es dann mit dem Stromanschluss, wo wir dachten, dass wir monatelang auf ein Stromaggregat zurückgreifen müssen. Nur unseren unendlich hilfsbereiten Nachbarn sei dank, konnten wir dies abwenden. Dazu war noch viel Nachdruck bei allen nötig, die mit der Herstellung des Stromanschlusses zu tun hatten. Denn durch eine Homepageumstellung hat das hiesige Bayernwerk – ihrem Monopol sei dank - einfach mal die Arbeiten 6 Wochen ruhen lassen. So weit ist Deutschland inzwischen!

Alle kommerziell orientierten und schaffenden Menschen reißen sich wirklich den Hintern auf, dass alles soweit am laufen gehalten wird und Menschen – eigentlich wie du und ich – die in den Amtsstuben Mikado spielen (wer sich zuerst bewegt hat verloren!) legen unser Land lahm. Eigentlich warte ich nur noch auf den Tag an dem wir morgens aufwachen und alles um uns ist still...

Doch irgendwann war es dann soweit und wir mussten nur noch unsere Möbel aus dem Schuppen ins Haus tragen. Der Flug nach Südostasien war bereits gebucht und die Geschichte dort eine vertraute aber doch ganz andere, um mal wieder den Kopf frei zu bekommen. Und wie fast immer auf Reisen bekommt man ein ums andere Mal vor Augen geführt, zu was für einer Bananenrepublik wir inzwischen wurden. Als älterer Mensch kann man das gar nicht glauben. Und die jüngere Generation ist nicht zu beneiden.

Wir jedenfalls hoffen unserem (Un-)Ruhestand nun etwas gelassener entgegensehen zu können und wünschen allen viel Kraft und den Mut sich für ein unabhängiges und freies Leben zu entscheiden.

 

Maineck, zum Jahreswechsel 2025/26

 

 

Volker Roth

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