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Roctrip ins Reich der Mitte

Wer ständig glücklich sein möchte muss sich oft verändern.“

Konfuzius

Ein Bericht aus 2014, der zwischenzeitlich im Nirvana des world wide web verschwand, den ich jedoch gerne wieder veröffentlichen möchte, weil China einfach ein außergewöhnliches Reiseziel ist. 

 

> Lesedauer größer 15 Min. 

 

Unsere Leser vom topoguide-Magazin kennen es längst. Wir veröffentlichen nur die selbst erlebten, ungeschönten Fakten und sind nicht auf Klicks und Affiliate-Links angewiesen, um dafür alles schön zu färben und 30 Cent für etwaige Buchungen zu bekommen.

 

Wer touristisch unterwegs ist wird sich bei all der Abzocke, die sowieso allgegenwärtig ist, auf seriöse und aktuelle Informationen sicher freuen.

15 Jahre am Stück sind wir nun quer durch die Alpen gezogen. Höchste Zeit also für etwas Abwechslung. So meint es zumindest Nicole. Wir sitzen beim Abendessen und diskutieren wo die Reise hingehen könnte.

Etwas exotisches sollte es schon sein. Eine Winterdestination noch dazu. Meine Favoriten waren Laos und der Norden Thailands. Doch dort gibt es immer wieder Unruhen. Also doch ein anderes Ziel. Myanmar? Tolles Land, tolle Sehenswürdigkeiten. Aber dort gibt es nichts zum Klettern.

Schon seit langem hatte ich die phantastischen Fotos vom Moon-Hill in Yangshou und Getu he im Hinterkopf. Vielleicht China? Nicht gerade leicht verdaulich für westliche Touristen. Wie frei können wir uns dort bewegen? Eine komplett andere Kultur. Kaum Verständigungsmöglichkeiten. Genau das Richtige für uns! Da sollte keine Langeweile aufkommen!

Zu diesem Zeitpunkt kam uns ein gutes Flugangebot zur Entscheidungshilfe genau richtig. 600 EUR nonstop nach Hong Kong mit einer deutschen Fluggesellschaft. Das wurde sofort eingeloggt. Dummerweise hatten wir dabei nicht an die vielen Streiks gedacht. Hoffentlich haben wir Glück!

China-Gequake den ganzen Sommer lang

Die Reisevorbereitungen konnten also beginnen und die Vorfreude stieg. Infos zu Klettergebieten und Übernachtungsgelegenheiten wurden eingeholt. Reiseführer gewälzt. Und da Nicole ein Sprachengenie ist, gleich mal die ersten Lehrbücher Chinesisch bestellt. Denn eines ist klar: mit Englisch geht außerhalb der Big Cities rein gar nichts. Von nun an musste ich bei jeder Kletterfahrt den ganzen Sommer über das Chinesisch-Gequäke aus den Lautsprechern des CD-Players ertragen. Aber vielleicht nützt’s ja was...? Oder bekommen wir doch Hühnerfüße an Stelle von Schweinefilet.

Visa for China

Es ist Oktober. Höchste Zeit für die Beantragung der Visa. Ein teurer Spaß. Denn wer nicht persönlich in der Agentur erscheint, zahlt zusätzlich 35 EUR für den Postversand. Summa-sumarum über 100 Stutz.

Für Langzeit- und Individualreisende werden normalerweise nur 30 Tage gewährt. 60 Tage liegen im Ermessungsspielraum des Botschaftsbeamten. Rückflugtickets sind vorzuweisen und Hotels für die ersten Tage voraus zu buchen. Mit den Kopien der Buchungsbestätigungen geht es dann ab ins Visacenter nach München. Ach ja: beim Passfoto schummeln gibt’s nicht. Ein aktuelles muss es schon sein. Ich muss wohl stark gealtert sein. Oder war er einfach nur schlau und verglich das Ausstellungsdatum des Reisepasses mit dem heutigen? Verdammter Hack! Aber der Automat gleich nebenan muss sich ja auch amortisieren...

 Wir beantragten unüblicherweise eine Aufenthaltsdauer von 60 Tagen? Wozu, warum? Ein Chinesischer Tourist arbeitet doch ganz Europa in 4-6 Tagen ab! Der Schalterbedienstete trägt es brav ein, markiert alles gelb und wir hoffen bei unserer Rückkehr aus den Dolomiten ein entsprechendes Visum in Händen zu halten. Etwas bibbern, oder doch nach 30 Tagen ausreisen und weiter nach Laos? Alles geht glatt. Devisen und zahlungskräftige Touristen sind schließlich auch in China willkommen. Kletterer auch?

Der Feuervogel hebt ab

Pünktlich hebt unser Feuervogel nach Hong Kong ab. Hong Kong hatten wir ausgewählt, weil man mit der günstigen Visakategorie nur einmal nach China ein und ausreisen kann. Im Falle einer Weiterreise nach Laos konnten wir also via Hong Kong wieder nach hause fliegen. 10 Stunden später torkeln wir schlaftrunken durch den Flughafen. Nachdem Anschlußflüge nach Mainland China vom benachbarten Shenzhen nur ein Drittel so teuer sind, als von Hong Kong, wollten wir mit der Fähre übersetzen um dem Verkehrschaos zu entgehen. Nachdem wir unser Gepäck abgeholt hatten, war uns jedoch der Weg zurück zum Fährterminal im Transferbereich nicht mehr möglich. Wie kommen wir also nun nach Shenzhen zu unserem Hotel? Die ersten Orientierungsschwierigkeiten begannen. Gleich reihenweise gibt es Ausschilderungen nach „Mainland China „ und dort angekommen wollen einem die Angestellten „Choaches-Busse“ verkaufen. Da wir allerdings mit kleinem Budget reisen, müssen wir uns nach günstigeren Möglichkeiten umsehen. Am Ende der Halle im Terminal 2 finden wir mehr durch Zufall ein Bussymbol das uns nach draußen leitet. Nette englischsprechende Hong Kong Chinesen erklären uns den Weg. Am Schalter A43 kann man für 30 Hong Kong Dollar Tickets bis Sheung Shui lösen (Fahrdauer ca. 30-40 Min.).

Dort bekommen wir einen Vorgeschmack, was es heißt in einem Land mit 1,3 Milliarden Menschen unterwegs zu sein. Man folgt den Massen in die Metro-Station und löst für teure 23 HKD ein Ticket zur Einsreisestation in Lo Wu In der Grenzhalle folgt man dann der Ausschilderung „Visitors“ und bringt geduldig die Einreiseformalitäten hinter sich. Schnell noch Chinesische Yuan am Automat besorgen und ab geht’s für 9 Kuai mit der Luobao Line Nr. 1 in anderthalb! Stunden zur Endstation Airport East. Mittlerweile sind wir bereits 4 Stunden unterwegs. China ist wahrlich ein großes Land! Um zum neuen Mega-Flughafen zu gelangen, steigt man eine Station zuvor aus und gelangt mit einem Zubringerbus M316? Zum Flughafen. Wir laufen allerdings noch die 300 m zu unserem „ehemaligen“ Airport Hotel, gönnen uns ein Nachtessen auf dem nahegelegenen Straßenmarkt und verwöhnen uns das erste mal mit lokalen Spezialitäten. Man hat keine Chance auch nur zu erahnen was dort gegrillt, geschmort und dann serviert wird. Etwas leckeres zum Essen findet man in China in nahezu jeder Seitengasse in einer der vielen Garküchen. Dort wird immer frisch gekocht und mit Gemüse und Reis kann man nicht viel verkehrt machen. Wie beim Chinesen in Europa bestellt man die Nr. 18, mit dem Unterschied nur zu erahnen was dann serviert wird. Ähnlich dem Glückskeks, den man als Nachtisch serviert bekommt.  

Langnasen“

So werden die „Wessis“ in China genannt. Man wird natürlich überall sofort erkannt und entsprechend mit Blicken „gewürdigt“. Daran muss man sich gewöhnen. Zuweilen kommt man sich vor wie der Kaiser von China. Egal wo du hinkommst, es sind ständig Tausende Blicke auf dich gerichtet. Besonders anziehend wirkte ich anscheinend auf junge Mädels. Ich muss zugeben, als „Fastfünziger“ fühlt man sich schon etwas geschmeichelt. Im günstigsten Falle wollen sie nur ein Selfie, meist versuchen sie jedoch mit drei Brocken Englisch und ihrem unwiderstehlichen Lächeln eine Konversation in Gang zu bringen. Nicht selten dauerte das Abendessen in den kleinen Garküchen so bis zu zwei Stunden. Aber dafür geht man ja auf Reisen und das Abendprogramm im Chinesischen Staatsfernsehen versteht man sowieso nicht. 

Viele Menschen, vor allem in den ärmeren ländlichen Gegenden haben noch nie einen Ausländer zu Gesicht bekommen. Schnell macht die Kunde vom „lao wai“, dem Ausländer die Runde. Wohin gehst Du Fremder? Woher kommst Du? Was machst Du hier? Eine Konversation ist leider kaum möglich.

Ein Lächeln als Geschenk

Dabei fällt vor allem eines sofort auf: Überall bekommst du ein freundliches Lächeln geschenkt. Die Hilfsbereitschaft ist nahezu Grenzenlos. Wenn wir nicht weiterkamen oder schwer von Begriff waren, packte uns immer jemand an der Hand und führte uns zum Bus, ans Hotel oder wohin auch immer nötig. Oft bekamen wir frisches Obst geschenkt, am Essenstand zusätzlich eine warme Suppe oder sonstige exotische Dinge. Einmal brachte uns sogar bei einer Busfahrt ein junges Mädchen eine Flasche Mineralwasser. Einfach So! Das macht sprachlos und glücklicherweise hatten wir etwas Obst dabei um uns zu revanchieren. Das sind die Dinge, die man nie im Leben vergisst!  

Die kleinen Gaunereien

Chinesen lieben es Langnasen übers Ohr zu hauen. Dabei meinen sie es per se gar nicht mal böse. Es ist ein Volksport. Selbst wenn man das weis und noch so aufpasst, schaffen sie es doch immer wieder. Auf dem Markt suchst du dir eine tolle Frucht aus. Einmal nicht aufgepasst, legen sie dir dann beim abwiegen oder einpacken ein faules „Ei“ ins Nest. Oder lassen einfach mal eine der bereits bezahlten Tüten unterm Tresen verschwinden. Im Minibus siehst du genau zu was Einheimische zahlen. Die junge Kassiererin möchte von dir jedoch 2 Yuan mehr. Du fängst an zu feilschen, doch sie beharrt auf dem Preis. Was soll’s! Du drückst ihr das Geld in die Hand und bekommst dafür ein herzliches Lächeln. Für uns sind es ja umgerechnet nur 26 Cent. Für sie ist es das Geld fürs Abendessen.

Yangshuo der Ballermann Chinas

Zur Begrüßung regnet es in Strömen. Auf unserem Weg zum Hotel schlendern wir durch die bekannte West-Street von Yangshuo. Wir sind entsetzt! Nie hätten wir auch nur im entferntesten gedacht, dass uns hier solch ein Touristenmoloch erwartet. Unser Hotel liegt etwas abgelegen in einer halbwegs ruhigen Seitengasse. Halbwegs ruhig heißt in China allerdings, dass man die Hupkonzerte, Musik etc. nur als gedämpften Unterton war nimmt. Nur für kurze Zeit wird es Nachts etwas ruhig. Zumindest sofern man keine lauten Zimmernachbarn hat. Schließlich ist man ja in den Ferien. Und schlafen kann man zuhause wieder. Nur so erklärt es sich, dass Chinesen, egal ob im Bus, der Metro oder sogar am Arbeitsplatz, jede freie Minute für ein kleines Nickerchen nutzen.

Die Kletterfelsen von Yangshuo

Die Felsen sind alle verstreut, weit außerhalb der Kleinstadt gelegen und nur mit Taxi, Bus oder mit dem Fahrrad zu erreichen. Mit letzterem benötigt man allerdings zwischen 40 Minuten und einer Stunde. Bei Regen und dem chaotischen Verkehr eigentlich keine Option! Nachdem die meisten Kletterer erst gegen Mittag starten, können Frühaufsteher sich mit diesen auch kein Taxi teilen. Bleibt also nur der Bus. Ein Abenteuer! Spätestens hier verlässt man die ausgetretenen Touristenpfade. Ohne Chinesischkenntnisse und die Aufzeichnungen der wichtigsten Orte in den Chinesischen Schriftzeichen geht hier gar nichts mehr. Glücklicherweise wissen die meisten Busfahrer mittlerweile jedoch wo sie dich rauswerfen müssen. Doch dann beginnt mangels ausreichender Führerbeschreibung das Problem von neuem. Wie schon gesagt China ist ein großes Land. Man unterschätzt die Dimensionen völlig. Und so gelangen wir nur durch Zufall mit vorbeikommenden einheimischen Kletterern zum gewünschten Fels.

Glatter abgespeckter Fels

Endlich, nach über 10.000 Kilometern Anreise können wir am White Mountain Hand anlegen. Doch was für eine Ernüchterung! Nahezu jede Route ist auf Hochglanz poliert und der Fels Aalglatt. Es ist ein regensicherer Fels und so tummelt sich eben hier das ganze internationale Publikum. Jede Route wird fünffach belegt. Russen, Engländer, Holländer, einige Asiaten und zwei Deutsche. Naja, morgen wird’s schon besser werden. Etwas ernüchtert treten wir die Rückfahrt ins Hotel an.  

Moon Hill

Noch bevor Kalymnos so richtig bekannt wurde hatten mich die Bilder vom Moon Hill beeindruckt. Neben Getu he war dieser Felsbogen einer der Gründe zum Klettern nach China zu reisen. Doch sobald in China eine Sehenswürdigkeit bekannt wird und Touristen anlockt zahlt man dafür Eintritt. Im Falle vom Moon Hill sind dies zwar „nur“ 15 Yuan aber dennoch für Europäer gewöhnungsbedürftig. Dazu kommt ein offizielles Kletterverbot, was jedoch von den Einheimischen ignoriert wird. Allerdings, und das macht die Sache nicht gerade ungefährlich, wurden die ersten Bohrhaken sauber entfernt. Vorteilhaft ist jedoch, dass durch diese Maßnahmen ähnlich wie in unserer Fränkischen Heimat die Frequentierung geringer ist. Dennoch ist auch hier das Speckendstadium bereits erreicht und ein Besuch lohnt maximal noch zum sight-seeing. Für die Asiatischen Touristen sind die Kletterer natürlich die Attraktion und ein gemeinsames Foto mit den Spiderman-Helden ist obligatorisch.

Lei Pi Shan

Nachdem es immer noch ohne Unterbruch regnet geben wir einem weiteren regensichern Gebiet noch eine letzte Chance. Mittlerweile wissen wir auch genau mit welchem Bus wir wohin kommen. Die letzten zwei Kilometer lassen wir uns für 5 Yuan auf einem Motorrad-Taxi zum Fels fahren. Und tatsächlich ist dieser Fels komplett überhängend und somit trocken. Ja sogar nicht einmal feucht. Bei diesem Regen kaum zu glauben! Doch auch hier ist mittlerweile jede Route auf Hochglanz poliert. Und zwar so enorm, dass man Massone in Arco im Gegensatz dazu als wasserzerfressen bezeichnen könnte. Hinzu kommt noch, dass die Schwierigkeitsangaben insbesondere in den untern Graden nach dem Chinesischen Mondkalender ermittelt wurden. Nach einer Aufwärmeinheit und zwei weiteren Versuchen in schwereren Touren war der Klettertag damit für uns beendet und einer Weiterreise nach Getu stand somit nichts mehr im Weg. Wir hatten einen repräsentativen Querschnitt gesehen und konnten kaum glauben, dass es so viele Leute gibt, die 10.000 Kilometer um Welt reisen und ihr Jubeln und Schwärmen schier grenzenlos ist. Einige noch dazu aus Deutschland und Europa, die doch sicher alle die Europäischen Topgebiete kennen. Oder doch nicht? Oder ist es einfach das exotische Flair, das jede objektive Einschätzung beeinflusst? Ist ja auch cool nach China zum Klettern zu jetten!

Franken Rock Trip nach Getu he

Das bekannte Video und die vielen überschwänglichen Berichte aus dem Internet ließen uns Superlative erwarten. Nachdem wir in Ziyun keine Zwischenübernachtung einlegen wollten, charterten wir spätabends ein Taxi für 300 Yuan nach Getu he. In dem kleinen Ort gibt es keine Straßenbeleuchtung und auf dem Weg dorthin keine Randmarkierungen auf den Straßen. Dementsprechend langsam tasten wir uns also vorwärts und fahren erst mal an den wenigen dunklen Häusern vorbei. An einer kleinen Garküche machen wir Halt und die nette Frau weist uns den Weg zum „Guesthouse“. Etwas verloren stehen wir in einem leeren weißen Raum mit einigen schmuddeligen Tischen. An der Wand prangt eine rote Speisekarte mit Englischer Übersetzung und ein Hinweis auf das verfügbare WIFI. Internetzugang im allerletzten Winkel und im ärmsten Teil von China. Echt krass! Dagegen ist Deutschland wirklich ein Dritteweltland!

 

Unser Zimmer muss erst noch etwas „hergerichtet“ und das Etagenbad in Betrieb genommen werden. Ziemlich braun schaut die Schüssel aus und direkt daneben sollte man Duschen. All das natürlich ohne Heizung, bei feuchtkalten 8 Grad Celsius. Im „Restaurant“ bleiben Türen und Fenster offen, damit wenigstens etwas angewärmte Feuchtigkeit von draußen hereinziehen kann. Die Vermieterin freut sich jedoch über ihre Gäste. Warmes Wasser für Tee gibt es aus dem neuen Automat. Und etwas Reis mit Ei und Gemüse ist auch noch übrig. Schnell legen wir uns auf die harten Pritschen zum Schlafen. Ein abendfüllendes Programm gibt es hier nicht. Dafür am nächsten Morgen wieder der unangenehme Blick ins Bad und zum total zugemüllten Hinterhof. Tolle Aussichten! Bis zum Petzl-Rock-Trip gab es dort wahrscheinlich keine westlichen Wasserplastikflaschen und kein abgepacktes Conveniance-food. Wo sollen sie also hin mit ihrem Müll? Eine staatlich organisierte Müllabfuhr gibt es dort nicht. Und selbst haben sie nie gelernt sich zu organisieren. Das übernimmt nach wie vor die Regierung. Das einzige was man hierbei vielleicht hinterfragen könnte: Warum sie ihre Wohnungen nicht etwas hübscher gestalten, aufräumen und sauber halten.  

Zwei handbestäubte Äpfel zum Frühstück

Weil wir am Morgen auf scharfe Nudelsuppe so recht keine Lust haben, organisieren wir uns zum Frühstück jeweils zwei „vergoldete“ handbestäubte chinesische Einheitsäpfel und Mandarinen. Wieder ist es bewölkt. Doch wenigstens regnet es nicht und so machen wir uns mit den Beschreibungen des „Petzl-Rock-Trips auf zu den Felsen. Wie war das noch? Ja, China ist ein großes Land...

Am ersten Fels direkt an der Straße angekommen: die große Ernüchterung! Wieder das gleiche Bild wie in Yangshuo. Abgespeckter glatter Fels. Eine Etage weiter oben schaut es dagegen schon deutlich besser aus. Irgendwie ist die Luft jedoch längst raus! Ich kann mich für keinen Klettermeter motivieren.

Wir beraten und wechseln noch für eine weitere Nacht ins sogenannte „Petzl-Guesthouse“. Dort sind die Zimmer schon etwas ordentlicher und die Atmosphäre angenehmer. Nur die Küche bleibt mittlerweile kalt. So bleibt nur der Weg zu den kleinen armseligen Garküchen. Wir ergattern gerade noch einige in heißem Öl frittierte Kartoffeln, Kürbisstücke und etwas Tofu. Und als Nachtisch die letzten zwei Mandarinen, die wir angeeilten Chinesischen Touristen wegschnappen. Die kamen gerade aus dem „Getu-Nationalpark“ mit den beeindruckenden Felsbögen. Offiziell kostet der Eintritt unglaubliche 190 Yuan (umgerechnet 25 EUR!!!).

 

 

Hast du Scheiße am Schuh...

Die Stimmung ist auf dem tiefsten Punkt den wir jemals erlebt haben. Eigentlich wollten wir hier zwei bis drei Wochen klettern. Mit diesen Aussichten auf dem ländlichen China weiterzureisen erschien uns wenig ansprechend. Nach Laos wäre es von hier eine Viertagesreise und obendrein noch viel zu heiß im November. Für eine Weiterreise nach Australien oder Neuseeland hatten wir keinen internationalen Führerschein dabei. Wozu auch? In China funktioniert das Reisen mit dem Bus optimal. Schweren Herzens beschlossen wir unsere Reise hier zu beenden und buchen unseren Rückflug. 

 

Wer einen Fehler gemacht hat und nicht korrigiert, begeht einen zweiten.“

Konfuzius

 

Leider kamen wir mit unserer Buchung nur bis zur Eingabe der Kreditkartennummer. In unserer Hektik hatten wir diese zwei Tage vorher am Flughafen verloren. Panik brach aus! Wir zitterten am ganzen Körper. Es gibt zwar einen Kreditkartennotruf, doch dazu braucht es eine Chinesische Telefonkarte. Glücklicherweise gab es wenigstens die Möglichkeit eine email an unsere Hausbank zu senden. Was zwischenzeitlich alles so mit unserer Karte passieren würden, darüber konnten wir nur wild spekulieren. Das kann schon mal die Fantasie anregen...

 

Zurück in die Zivilisation

Schließlich schafften wir es zwei Tage später über Guiyang und Shanghai einen Flug nach Frankfurt zu buchen. So bekamen wir zwei weitere Megacities zu sehen. Der Kontrast hätte nicht größer sein können. Nachdem unser Zubringerflug zweimal verschoben wurde und wir zu einer weiteren Nacht gezwungen waren, konnten wir dann wenigstens von der mit Deutschen Steuergeldern subventionierten Magnetschwebebahn vom Flughafen in Shanghai mit 430 Stundenkilometern in neun Minuten Richtung Innenstadt schweben.

 

Wir werden links und rechts überholt!

In Sachen Fortschritt und Technik haben uns die Chinesen längst rechts und links überholt. In einer Zeitung stand zu lesen, dass 2030 „Peakoil“ in China erreicht werden soll. Spätestens dann hat wahrscheinlich jeder Chinese ein eigenes Auto. Die Deutschen Autobauer wird’s freuen. Denn das gros der Verkaufserlöse fließt nach Wolfsburg, München und Stuttgart. Denn vom Japanischen oder Amerikanischen „Feind“ kauft man nur widerwillig Autos. In keinem Land der Erde habe ich viele Deutsche Luxuskarossen gesehen. In keinem Land der Erde sind die Gegensätze größer. Von ultramodern und superreich bis zum bettelarmen Gemüsebauer gibt es alles auf engstem Raum. Was ich hier und heute schreibe ist morgen schon wieder Geschichte. Die Veränderung des Landes vollzieht sich gefühlt in „Lichtgeschwindigkeit“. Der Riese ist längst hellwach und wird die Weltordnung nachhaltig verändern. Das „alte“ Europa wird hier nur noch zusehen und staunen können. Die Chinesen sind fleißig und arbeiten zielstrebig. Ihre Kultur ist hierbei längst auf der Strecke geblieben. Nur ganz vereinzelt ist hiervon noch etwas zu sehen. Was für uns so exotisch erscheint, hat der Chinese längst satt. Wir möchten ja auch nicht mehr mit dem Ochsenkarren auf die Felder ziehen – oder?

 

Die Macht der Medien

Vergesst alles was ihr in den Medien über China suggeriert bekommt. Dieses China haben wir so nicht erlebt. Natürlich gibt es Smog-Alarm, verstopfte Straßen und schlechte Luft in Peking. Und sicher gibt es auch die Verletzung von Menschenrechten. Dennoch haben wir China als sicheres und in den Metropolen wie Shenzhen, Shanghai und Hong Kong als picobello sauberes und äußerst fortschrittliches Reiseland erlebt. Staus und Chaos auf den innerstädtischen Straßen wünschen sich zwar die Deutschen Autobauer, doch noch längst sind sie nicht Realität. Die Menschen können sich frei bewegen und Reisen. Sie lernen Englisch, bilden sich und sind unglaublich wissbegierig. Die hiesigen Nachrichten berichten oft das Gegenteil! Wie gut, dass wir uns beim Reisen ein eigens Urteil bilden können!

 

Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.“

Goethe

 

Bei uns bricht ein Sturm der Entrüstung aus, wenn die Chinesen eine Sehenswürdigkeit kitschig verbauen. Wie ist das denn beispielsweise mit der „Rakete“ auf der Aiguille du Midi? Oder mit einer Aussichtsplattform bei uns in den Alpen? Wie korrupt sind unsere Politiker und Industriebonzen? Diktieren uns nicht mächtigen Banken der westlichen Welt wo es lang geht? Brauchen wir Unternehmen wie Google, die uns mit ihren „Spionageaktivitäten“ ausspähen und versuchen die Weltherrschaft an sich zu reisen?

 

China ist definitiv anders als es in unseren Medien dargestellt wird. Ich möchte hier keine Propaganda für die Chinesische Regierung machen. Wir haben auch keine Gehirnwäsche bekommen. Aber vielleicht ist das dortige System die einzige Möglichkeit so ein riesiges Land aufzubauen, zu lenken und in die Zukunft zu führen.

 

China, im November 2014.

Volker Roth

 

 

 

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Eine Vervielfältigung – auch auszugsweise – ist nur mit unserer schriftlichen Zustimmung erlaubt.

Reiseinfos China

Visa

Die Visa müssen über eine Agentur z. B. visaforchiana.org) beantragt werden. Für Bayern in München. Normalerweise werden 30 Tage genehmigt. Mit gutem Willen und entsprechendem Rückflugticket sind auch 60 Tage möglich. Je nach Kategorie kosten diese zwischen 70 und 150 EUR. Wer nicht persönlich erscheint zahlt für den Postversand weitere 35 EUR. Eine Kopie des Reisepasses (dieser muss bei der Einreise noch 6 Monate gültig sein), der Flugunterlagen und die Buchungsbestätigung des Ankunftshotels, sowie ein aktuelles Passfoto sind beizufügen. Selbstständige sollten sich auf Rückfragen einstellen. Journalisten werden gesondert behandelt!

 

Reisevorbereitung

Zur Übersicht lohnt eine gute China-Karte. Für alle Orte oder Hotels und Adressen sollte man die Chinesischen Schriftzeichen parat haben oder mit einer von Google unabhängigen Software auf dem Smartphone verfügbar sein. Google Karten können in China nicht oder nur von versierten Softwaretechnikern aufgerufen werden. Facebook und Twitter sind ebenfalls gesperrt! Yahoo ist eingeschränkt möglich.

Ein Übersetzungsprogramm sollte installiert und kann sehr hilfreich sein! Aber Achtung: Viele Chinesen auf dem Land sind Analphabeten! Karten können die wenigsten lesen und halten diese nicht selten verkehrt herum...

Reiseführer dienen eigentlich nur zu einer ersten Übersicht. Die dort beschriebenen Sehenswürdigkeiten sind meist allesamt Tourinepp und für unseren Geschmack kitschig aufgemacht. Sehr oft muss dafür viel Eintritt gezahlt werden, ohne einen adäquaten Gegenwert zu erhalten. Das Ganze teilt man sich dann mit Tausenden aufgescheuchten Asiaten. Sie lieben es bunt, laut und kitschig! Für uns ist das sehr gewöhnungsbedürftig!

 

Kommunikation

Es gibt nahezu überall WIFI. Wer möchte kann sich von China Mobile oder China Unicom an nahezu jeder Straßenecke eine prepaid Karte für die jeweilige Provinz besorgen. In anderen Provinzen fallen dann allerdings Roaming Gebühren an oder eine neue Karte ist nötig. Ferngespräche sind kompliziert und nur über Call-back Verbindungen oder besser über Skype möglich.

 

Hotel und Flug

Die Flüge sowie mindestens das erste Ankunftshotel sind im voraus zu buchen und dem Visaantrag beizulegen.

Meist gibt es auch kurzfristig noch günstige Direktflüge nach Peking, Shanghai oder Hong Kong. Mehr als 600 EUR sollte man nicht zahlen. Die Flugzeuge von AirChina sind ziemlich neu und machen einen guten Eindruck. Verspätungen sind an der Tagesordnung. Somit große Vorsicht bei Anschlussflügen. Genügend Zeit einplanen! Für die Hin- und Rückreise mindestens einen Tag Reserve!

Inlandsflüge können bis wenige Stunden vor Abflug problemlos vor Ort oder im Internet (z.B. über Ctrip (Achtung! Daten werden unverschlüsselt übertragen!) gebucht werden und sind meist für 50 bis 100 EUR zu haben. Ansonsten nimmt man eben den Bus.

Die Hotels und Unterkünfte sind verpflichtet bei Ankunft eine Meldung an die örtliche Polizeistelle zu machen, so dass der Reiseverlauf jederzeit nachvollziehbar ist. Darüber hinaus verlangen sie eine Kaution meist in doppelter Höhe des Zimmerpreises. Bestätigung ausstellen lassen, gut aufheben und bei der Abreise eincashen nicht vergessen.

 

Zahlungsmittel

Gesetzliches Zahlungsmittel ist der Yuan. In der Finanzwelt Renimbi genannt. Im Volksmund Kuai. Leider ist unser EUR zur Weichwährung verkommen und auf Tiefstand gegenüber dem Yuan. Zur Zeit bekommt man für 1 EUR 7,60 Yuan. Oder umgekehrt kosten 100 Yuan ca. 13 EUR. Am besten am Flughafen am Automat mit Kreditkarte Geld besorgen oder bei der Bank of China tauschen. In größren Orten und Städten ist die Geldbeschaffung nirgends ein Problem. Die Kurse sind überall gleich und festgeschrieben. Sie orientieren sich an den täglichen Börsenkursen. Umtauschgebühr ca. 1,75 %.

 

Tipp!

Am besten eröffnet man bei einer Internetbank ein separates, meist kostenloses Konto mit niedrigem Kreditkartenlimit und ohne Überziehungsmöglichkeit, um bei Betrugsfällen oder Kreditkartenverlust auf der halbwegs sicheren Seite zu sein und den Schaden gering zu halten.

 

Bus, Bahn, Taxi

Im Land bekommt man immer eine gute Busverbindung. Die Fernbusse sind bequem und sicher. Helldriver sind selten. Bahnverbindungen haben wir nicht genutzt. Man ist weniger flexibel und die Ticketbeschaffung, vor allem für die Softsleeper Nachtzüge etwas umständlicher.

Taxifahrer hauen dich nahezu immer übers Ohr und wollen oft auch noch nachverhandeln. Besser meiden! Die Chinesen helfen immer weiter und führen dich wenn nötig zu den Stadtbussen. Kurzstrecken 1 Yuan, (immer Kleingeld bereithalten!). Mittelstrecke 2-3 Yuan, Fernbusse zwischen 25, 50 und 100 Yuan.

 

Essen & Trinken

Wir haben nahezu immer in den kleinen Garküchen am Straßenrand gegessen. Kulinarische Erlebnisse sind somit garantiert. Man kann sich selbst die Zutaten aussuchen, die dann frisch zubereitet werden. Dafür werden zwischen 8 und 10 Yuan berechnet. Nach dem Klettern wird man allerdings zwei Portionen benötigen. Reis kann immer nachgeordert werden und wird selten berechnet. Nette Gespräche und Begegnungen gibt’s inklusive!

Die Restaurants insbesondere in Yangshuo sind für das Gebotene viel zu teuer! Und oft noch miserabel dazu!

 

Wetter Reisezeit

Die beste Reisezeit für viele Regionen ist der Oktober. Dann haben allerdings auch alle Chinesen Urlaub und es wird schwer Hotels und Flüge zu bekommen. Ende Oktober und der November bieten zumindest in den Niederungen und im Süden noch sehr gute Bedingungen. In den Höhenlagen der Mitte und im Norden fällt dann allerdings schon der erste Schnee. Wetterlagen halten sich wie bei uns oft Wochenlang. Das kann somit sowohl sehr positiv aber auch frustrierend enden. Je nach Reiseziel gibt es viele verschiedene Klimazonen.

 

Kletterinfos

Yangshuo kann man nach Europäischen Maßstäben getrost als Klettergebiet vergessen. Getu he ist zwar vom Gestein und der Kletterei her besser. Es fehlt jedoch die Infrastruktur und es ist das Armenhaus Chinas. Darüber hinaus „glänzt“ die Region mit 300 Nebeltagen im Jahr! Liming ist ein neues Tradclimbing Gebiet und hat das bessere Wetter, vermutlich jedoch eine ähnliche Infrastruktur wie Getu he. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl kleiner lokaler Gebiete die sich in den nächsten Jahren sicher schnell weiterentwickeln wie alles in China. Somit können all diese Infos in ein paar Jahren nutzlos sein! Nur der Fels wird nicht wieder rauer...

 

Gesundheit & Impfungen

Die klassischen Hepatitis A & B, Tetanus, Diphterie und Thypus Impfungen sollte man haben. Teilweise sind diese ein halbes Jahr im voraus nötig um den vollen Schutz zu gewährleisten!

Wasser ist wie überall nur abgekocht nutzbar. Salate und ungeschälte Früchte sind Tabu!

In den Garküchen wird alles extrem heiß erhitzt und wir hatten keine Probleme. Allerdings waren wir auch die verschiedenen Gewürze und eine solide Grundschärfe schon von zuhause gewohnt. Wer sich hier überwiegend von fastfood ernährt wird in Asien sicher aufgrund der Ernährungsumstellung Verdauungsprobleme bekommen. Aber in den Städten gibt es ja auch Mc Donald & Co.

 

Sicherheit

China ist ein sicheres Reiseland! Polizisten und Aufseher sind überall gegenwärtig. Beim Eintritt in die Metro oder den Busbahnhof werden Gepäck und Kontrollen durchgeführt. Pöbeleien oder Schlägereien wie bei uns üblich, würden wahrscheinlich sofort im Straflager enden! Das würde ich mir auch für Europa wünschen! Auf Wertsachen gilt es natürlich trotzdem extrem gut aufzupassen. Eine Kopie von Visa, Pass und Flugticket sollte separat aufbewahrt werden.

Prinzipiell fühlten wir uns dort sicherer und behüteter, als in so mancher Europäischen Großstadt. Älteren gegenüber ist man besonders zuvorkommend. Sie gelten in China als weise und sind hoch angesehen!

 

Wer Fragen hat kann uns gerne kontaktieren.

Ansonsten viel Spaß beim Planen und Reisen!

 

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