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Camper & Co.

Mein Leben spielte sich schon immer mehr draußen als drinnen ab. Und so war der Erwerb eines Campingfahrzeuges die logische Konsequenz. Seit 35 Jahren düse ich damit quer durch Europa. Immer auf der Suche nach den schönsten und ruhigen Übernachtungsplätzen. Unzählige Momente des Glücks und ein Freiheitsgefühl, das so langsam zu Ende zu gehen scheint. Zumindest an den beliebten und bekannten Plätzen. Es sind einfach zu viele, die das gleiche suchen, aber leider nicht mehr finden werden. Und leider auch immer mehr, die sich nicht zu benehmen wissen, damit andere „terrorisieren“ und großen Schaden anrichten, ohne es zu bemerken.

Rücksicht war gestern. Hier bin ich und mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Was wir 2022 erlebt haben, sprengt alles bisher dagewesene. An einem wenig bekannten und sehr ruhigen Platz im Bergell, entfachte ein Schweizer Best-Ager-Pärchen um 17 Uhr ein Feuer mit gestohlenem Holz, das dort lagerte und verschwand nach einer guten Stunde. Wir mussten es löschen, sonst wäre es wohl auf uns zurückgefallen. Und nicht nur deshalb. Die Trockenheit interessierte sie dabei kaum. Nachdenken – Fehlanzeige. Und das mit über 60! Wir waren schockiert.

In den Gebieten, wo die „Freiübernachter“ vertrieben werden, konzentriert sich alles auf die wenig verbleibenden Flächen und Möglichkeiten. Dort stehen dann oft bis zu 100 Wohnmobile und Camper auf engstem Raum, so wie im Bild am Valparolapass an Ferragosto. Und immer sind einige dabei, die denken, sie wären allein unterwegs. Uftz, uftz, ufzt, dröhnen die Bässe bis tief in die Nacht. Laute Unterhaltungen, schallendes Gelächter von zugekifften Junkies und Grillpartys bei absoluter Trockenheit sorgen für Unmut allenorts. Türen knallen im Sekundentakt. An Schlafen und eine Tour am nächsten Morgen ist nicht mehr zu denken. Der Tross zieht weiter und zieht eine Spur der Verwüstung hinter sich her.

Mich macht das einfach nur noch traurig und wütend. Und es bleibt nichts anderes übrig, als das nächste unbekannte Gebiet aufzusuchen, was glücklicherweise immer noch möglich ist.

Wir alle können gegensteuern und die wenigen schwarzen Schafe zur Vernunft bringen oder vertreiben. Organisiert euch in kleinen Gruppen und stellt sie zur Rede, bevor es andere für euch machen und Stück für Stück alles abgesperrt wird und wir aus der Natur ausgesperrt werden.

Übrigens kann euch niemand verwehren, zur Wiedererlangung der Fahrtüchtigkeit auf einem offiziellen Parkplatz zu übernachten. Sofern es kein absolutes Halte- oder Nachtparkverbot dort gibt.

Die Campingutensilien bleiben dabei natürlich im und nicht vorm Auto. Und in abgelegenen Gebieten, wo wir allein standen, hatten wir noch nie Probleme. Meidet große Ansammlungen und Plätze. Wo schon drei Busse stehen, muss kein vierter mehr dazu. Fahrt halt 10 km weiter. Nehmt bitte euren Müll mit, verdeckt euren Stuhlgang und verhaltet euch ruhig. Keine Musik, kein Türengeknalle. Man kann sich auch leise unterhalten, etc. Eigentlich müsste das alles doch gar nicht mehr erwähnt werden.

Und wenn alle Stricke reißen, führt wohl kein Weg mehr daran vorbei, dass wir uns im Wald mit Zelt verstecken. Denn Hütten, Hotels oder überfüllte Campingpätze sind zumindest für uns keine Alternative. Und bei 12-14 Reisewochen im Jahr auch unbezahlbar. Abgesehen davon könnte ich mich dort nicht wohlfühlen. All das müsste doch inzwischen auch der letzte Tourismusverantwortliche erkannt haben. Sie werden uns und alle, die so unterwegs sein möchten, nicht ändern. Auch wenn sie versuchen, uns immer weiter in die Enge zu treiben oder zu vertreiben. Auch Wohnmobilisten lassen Geld in den verschiedenen Regionen. Und meist nicht zu knapp. Aber vielen reicht das offenbar nicht.

 

Das Schild  hat absolut keinen Gesetzescharakter und dient nur zur Einschüchterung. Es geht hier um gemeindeeigene Grundstücke und nicht um öffentliche Parkplätze an der Staatsstraße.

Dass es auch anders geht, beweisen bereits einige Orte, die WoMo-Stellplätze zur Verfügung stellen, wie hier im Val Soana, wo wir tolle Tage in aller Ruhe verbrachten.

Manche gegen einen geringen Obolus von fünf Euro. Es geht also. Nur wollen muss man es.

 

 

Man muss sich das Paradoxon einmal vorstellen: Selbst in einem Nationalpark, mit 50km² Parkfläche, bleiben sicher mehr als 90 % unberührte Natur. Wo niemals ein Mensch seinen Fuß hinsetzen wird.

Aber einige ganz wenige, ausgestattet mit sehr viel Macht, maßen sich an, über uns alle hinwegzubestimmen und uns zu reglementieren. Lasst euch nicht ständig einschüchtern. Werdet politisch aktiv. Und versucht, das Schlimmste hinauszuzögern. Ganz verhindern werden wir es nicht können.

Geld regiert die Welt! Und wer die Musik zahlt, bestimmt, was gespielt wird!

Volker Roth

Hier geht ganz offiziell nix mehr! Allerdings dürften die Strafen immer noch günstiger sein als ein Campingplatz. Wenn sie denn überhaupt vollstreckt werden oder rechtlich vollstreckbar sind. 

Lange wird es jedenfalls nicht mehr dauern, bis es überall so sein wird. Für die jüngeren, die ebenfalls gerne mal in beliebte und bekannte Regionen reisen möchten ist es halt jammerschade. Alle anderen ziehen halt weiter. Dorthin wo sie noch geduldet werden oder sogar willkommen sind. Glücklicherweise gibt es noch genug menschenleere Gebiete in Europa. Mit unseren Kletterführern seid ihr hier gut aufgestellt und informiert.

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