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Verlorene Kletterregionen und Täler

Dieser Artikel ist als Info für weniger wohlhabende Kletterer gedacht, die gerne autark im Campingfahrzeug unterwegs sind. Es ist eine Bestandaufnahme aus den letzten Jahren und beschreibt eine traurige Entwicklung, hin zur Aussperrung von Menschen aus der Natur. Zunächst wird es wohl nur die weniger betuchten betreffen. Früher oder später alle. Die Ursachen dafür liegen sicher nicht nur am Fehlverhalten einzelner, sondern vielmehr auch an der unstillbaren Gier einiger weniger. 

Die Übernachtung im Campingfahrzeug bietet viele unschlagbare Vorteile. Man kann maximal flexibel auf Wetterveränderungen reagieren, muss nicht vorausbuchen, was bei ständig wechselnden Zielen nahezu unmöglich ist. Und man ist nicht an irgendwelche Zeiten von Öffis o.ä. gebunden. Das Wunschdenken von der Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre maximal im perfekt ausgebauten Verkehrssystem der Schweiz möglich. Weder in Italien, Frankreich und schon gar nicht im maroden Deutschen Verkehrsverbund. Aber was nützt ein Campingfahrzeug, wenn wir überall ausgesperrt werden? Und unsere Gegner sind mächtig! Doch eigentlich hätten wir ja die WAHL. Nur davon Gebrauch machen muss man halt. 

GRIMSEL

Nachdem man die Passstraße leider nicht ganz für den öffentlichen Verkehr sperren kann, sollen wenigstens die "Wildübernachter" vergrault werden, die im Vergleich zum täglichen Verkehrsaufkommen im Promillebereich liegen. Der Lärm von Motorrädern zum Beispiel ist unerträglich. Doch deren Lobby funktioniert. Die der Kletterer leider nicht. 

Betroffen ist das ganze Gebiet und vor allem auch die Parksituation rund um Handegg, Chünzentenlen und Räterichsboden. Die früher kostenlosen Plätze in Handegg gibt es nicht mehr. Der Zugang zur Gelmerhütte erfolgt für den schmalen Geldbeutel somit von Chünzentenlen aus. 

Eine Alternative wäre verstecktes Zelten, was natürlich auch offiziell verboten ist.

VAL FERRET

Die Parkplätze am Talende wurden renaturiert. Wer zu den Touren dort und nachfolgend ggf. auf die Dalmazzihütte möchte, ist auf ein Shuttle angewiesen. Die Straße ist im Juli und August nur vor 8 Uhr und dann erst wieder nach 17 Uhr befahrbar. Aber was nützt das ohne Parkplätze? Also nur gucken, nicht klettern!

VAL DI MELLO

Im Prinzip das gleiche wie im Val Ferret. Wohlhabende können sich allerdings dort auf dem Camping für mindestens 3 Nächte einmieten (ca. 100 EUR).

Für die Hüttenzugänge bleiben eigentlich nur die Bezahlparkplätze in den Tälern. 

Schaut euch mal das Val Lanterna an! Dort wird zwar inzwischen auch am Parkplatz abgezockt aber noch halbwegs bezahlbar. 

GÖSCHENERALPTAL

Die "Freiübernachter" werden dort schon seit Jahren geächtet. Früher konnte man relativ fair für 5 CHF auf dem Naturcamping übernachten. Inzwischen sind es 20 CHF für NICHTS! Außer 5 m² auf einer Wiese. 

Am Talschluss ebenfalls Parkplatzabzocke, wer auf die Hütte oder zum Feldschijn möchte.

DOLOMITEN

Die Schlinge zieht sich weiter zu! Selbst auf den Pässen kann man kaum noch unbelästigt stehen. 

Eventuell in Plan de Gralba mit hunderten Wohnmobilisten.

Nach wie vor am Brunecker Turm.

Große Vorsicht im Val Canali!

Je weiter im "deutschsprachigen" Teil, desto schwieriger. Im italienischen etwas lockerer. 

ARCO und SARCATAL

Insbesondere zu den Ferienzeiten werden schon seit Jahren Razzien gegen die Geiz-ist-geil-Touristen und Heckenkacker geführt. 

Wo früher Kletterer willkommen waren, sind sie inzwischen ein rotes Tuch. Nicht zu Unrecht, weil sich viele daneben benommen haben. 

Es gibt kaum noch Stellplätze und Camping ist bald teurer als eine Ferienwohnung. 

Grund genug sich mal in den umliegenden Gebieten, wie im Val Daone oder dem Etschtal umzuschauen. Es lohnt sich!

In den Regionen Tirol, insbesondere im Zillertal oder Lofer ist Hopfen und Malz verloren. Total verrückt, was dort abläuft. 

Da erspare ich mir jeden Kommentar. Es gibt sowieso schönere Gebiete. Nur halt leider nicht vor unserer eigenen Haustüre. 

Wohin also noch?

Uneingeschränkt empfehlenswert sind nach wie vor 

VERDON

MEERLAPEN

DAUPHINÉ mit Ausnahmen. 

FURKA- UND NUFENENPASS

Einfach alles weniger Bekannte und weit Abgelegene.

Inzwischen spricht vieles wieder für eine "einfache" 1000*** Übernachtung im Biwaksack oder Zelt. 

Lasst euch nicht unterkriegen! Zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit kann auf fast jedem Parkplatz übernachtet werden. Lasst die Campingutensilien, Tische und Stühle im Auto. Verhaltet euch unauffällig und meidet Plätze, wo schon jemand steht. 

 

 

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Sommer mit vielen tollen Erlebnissen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Admin Volker (Dienstag, 14 Juni 2022 13:14)

    Hallo Geri,
    vielen Dank für deinen aufschlussreichen Kommentar, den ich wunschgemäß entfernt habe.
    Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir mal privat deinen Kontakt zukommen lässt. Email auf der Seite oder facebook.

  • #2

    Kristian Rath (Dienstag, 14 Juni 2022 15:36)

    Das ist leider in vielen Regionen ein Problem. Ich schlage strikten Konsumverzicht und Selbstversorung dort vor, wo die Parkgebühren explodiert sind. Gerade bei langen Klettertouren, Hochtouren und Skitouren ist ein früher oder nächtlicher Aufbruch oft essentiell. Das wird durch Nachtparkverbote oftmals verunmöglicht. Beispiel Hinterstein im Allgäu. Da geht es gar nicht um´s sparen sondern um alpine Notwendigkeiten. Leider fällt auch der Alpenverein in Bezug auf parken, Besucherlenkung und Sperrungen den Bergsteigern oftmals in den Rücken. Übrigens: Am Balkan ist die Welt in dieser Hinsicht vielfach noch in Ordnung. https://freieberge.wordpress.com/2021/06/09/extremer-anstieg-der-parkgebuehren-im-allgaeu-abzocke-oder-lenkung/

 

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