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Weltklasse klettern - Holzklasse übernachten

Für uns war es der erste Besuch auf der tschechischen Seite des Elbtals nach Corona. Oder besser gesagt während Corona. Denn dieser Virus wird vermutlich noch sehr lange unter uns verweilen. Und selbst wenn er irgendwann behandelbar ist, die Menschen und unsere Gesellschaft hat er dauerhaft verändert.

Und leider nicht zum Positiven, wie so mancher gehofft hatte...

 

Donnerstag Nacht: 22.18 Uhr. Nachdem uns Campingplätze sowieso und die bekannten Stellplätze zu laut sind, weil viele Menschen kaum Rücksicht auf andere nehmen, suchen wir uns schon immer abgelegene und ruhige Örtchen. Das hält auch die Auswirkungen auf die Umwelt klein und wir stören niemanden. Wir verhalten uns schon immer defensiv, bauen keine Campingmöbel auf, hören keine Musik, wir reden leise. Wir hauen keine Autotüren zu, nehmen unseren Müll mit und verdecken oder vergraben unseren "Ballast der Republik".  Kurzum wir belästigen und stören niemanden. Doch scheinbar fühlte sich ein Spaziergänger oder Anwohner nur durch unsere Anwesenheit belästigt und rief die Polizei. Die mussten natürlich ihren "Job" machen und komplementierten uns freundlich auf den nächsten Parkplatz. Dort war natürlich bis weit nach Mitternacht Party und an Schlafen nicht zu denken.

Naja, in 30 Busjahren wurden wir zwei bis dreimal "vertrieben".

Kommt mal vor, so dachte ich mir.

Wir wollten sowieso weiter ins tschechische Elbtal und auf der Hochebene übernachten, um von dort zuzusteigen. Zielstrebig steuerte ich unseren Übernachtungsplatz hinter dem kleinen Dorffriedhof in Labská Strán an. "Ruhe in Frieden" könnte man sagen...

Wir hatten noch nicht die Türe auf, kam ein Local, wie von der Tarantel gestochen, mit einem Affenzahn auf uns zugerast und beschimpfte uns wie wild in seiner Landessprache. Auch wenn wir nichts verstanden haben, seine Botschaft war klar: Wir sind hier zutiefst unerwünscht! Und es gäbe ein Durchfahrtverbot, dass wir wohl übersehen hätten. Stimmt! Aus Macht der Gewohnheit fuhr ich zielstrebig dorthin, ohne es wahrzunehmen.

Nachdem wir nicht direkt vor der Belvedére-Gaststätte übernachten wollten, wo früher der offizielle Wanderparkplatz war, stellten wir uns auf eine kleine Wiese, direkt am Straßenrand. Wir waren allein und belästigten so niemanden. Eine Nacht ging das auch gut. Doch schon am nächsten Abend hatte uns eine freundliche Dame auf die gültigen Naturparkgesetze hingewiesen und gebeten uns doch einen anderen Übernachtungsplatz zu suchen. Die Anwohner der umliegenden Orte laufen also "Amok", gegen die "ungebetenen" Gäste, vorwiegend aus dem eigenen Land. Kletterer sind auf der rechten Elbseite unerwünscht. Und das ist nicht erst seit gestern so. Über den Felsen hängt sowieso ein Damoklesschwert. Und unter dem Coronavorwand und den "vielen" Menschen, die sich dort angeblich tummeln (es war an diesem Wochenende eine!!! weitere Seilschaft im ganzen Gebiet unterwegs) werden wohl die Sperrungsverhandlungen fleissig vorangetrieben und vorbereitet. Von einem Massenandrang kann man jedenfalls nicht sprechen... Die meisten sind auf der linken, ab Nachmittag schattigen Seite. Doch nachdem wir lieber früh aufstehen, ist die Westseite für uns besser geeignet. Und die höheren Wände stehen ebenfalls hier.

Doch zu den Coronahochzeiten, wo niemand reisen durfte, unseren Politikern sei Dank!!!, versammelten sich anscheinend viele Kletterer dort im Gebiet, wie uns die einzige andere anwesende Seilschaft berichtete.

Viele Menschen, versursachen nunmal viele Probleme... und verhalten sich dann noch zwei bis drei "wie die Axt im Walde", ist es mit der sowieso geringen Toleranzschwelle der Einheimischen dort schnell vorbei.

Was sind nun die Folgen und was können wir tun?

Das Gebiet wird vermutlich sowieso gesperrt. Die Verhandlungen waren auch vor Corona schon für 2020 angekündigt. Jetzt sind es halt noch ein paar "Argumente" mehr auf Seiten der "Naturschützer". Wir erinnern uns: Der freundliche Herr... Vielleicht wollte er nur keine fremden Besucher neben seinem Pfadfinderjugendlager, das gerade dort abgehalten wird. Drei Riesentipis und unzählige Zelte, mitten im sogenannten "Nationalpark", in dem eigentlich alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Doch manche Menschen sind eben "gleicher" und dürfen das. "Wer die Musik bezahlt, bestimmt eben was gespielt wird." Das war schon immer so.

Menschen wie wir, die unsere Freiheit lieben, werden sicher niemals im Hotel oder auf Campingplätzen übernachten. Dabei geht es nicht mal vorrangig ums Geld. Wir möchten einfach an den für uns schönsten Plätzen in Ruhe eine schöne Zeit verbringen. Doch die Tage scheinen gezählt...  Der Tross wird in andere Gebiete weiterziehen. Die Tschechen nach Franken, die Deutschen nach Kalymnos oder sonstwohin an Orte, an denen man seine Ruhe findet und sich willkommen fühlt. Ob dadurch der "Impact" geringer wird, würde ich mal sehr stark bezweifeln. Man fährt viele Kilometer hin und her, fliegt durch Welt und schadet auf diese Weise erheblich mehr der Umwelt, als wenn man sich an die "Outdoorregeln" hält und "heimatnah" unterwegs ist. Doch Hauptsache vor der eigenen Türe kehrt wieder "Ruhe" ein.

 

Auf diese Weise löst man keine Probleme, man verschiebt sie nur an einen anderen Ort.

 

RIP - mein lieber Campingbus

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