· 

Winterstock - "Schwoabaweg" - eine fragwürdige Sanierung

Der Winterstock steht für phantastischen Fels und tolle Plaisirtouren. Und so freute ich mich umso mehr, als ich von der Sanierung des alten "Schwoabaweg" las.

Also machten wir uns auf und nahmen den langen Zustieg einmal mehr in Kauf.

Die ersten beiden Seillängen ließen uns schon jubeln. Perfekter Granit und Risse die Friends geradezu willkommen heißen.  Dazu gebohrte Stände, wenn auch nur mit einem neuen aber dafür soliden Bohrhaken.

Doch schon am Ende der zweiten Länge muss ein "Dächli" durchaus exponiert überwunden werden. Die Absicherungsmöglichkeiten wurden plötzlich mäßiger.

Am Beginn der dritten Länge (erste Crux; ca. VII- statt der angegebenen VI-) nahm die Sanierung ein jähes Ende und die Sanierer beließen den 8 cm herausstehenden Normalhaken, statt einen neuen Bohrhaken zu setzen. Ein Sturz wäre sehr suboptimal ausgegangen und der "altehrwürdige" Normalhaken mit mir in die Tiefe gerauscht. Delikate, wacklige Kletterei und Züge, brachten mich nach einigen Anläufen weiter. Wie zum Hohn grinst mich dann am darauffolgenden Band im Gras ein neuer Bohrhaken an. Völlig sinnlos an dieser Stelle und unnütz. Doch danach zeigten die Sanierer ihr "wahres Gesicht". Ein brüchiger Aufschwung muss zwingend und obligat erklettert werden. Vermutlich würden die gelegten Friends samt Gesteinsbrocken bei einem Sturz aus der Wand fliegen.

Mit dem Wissen, daß es sich hier um brüchigen Fels handelt, bei einer Sanierung keine Bohrhaken zu setzen und so eine Verletzung evtl. mit Todesfolge anderer Kletterer billigend in Kauf zu nehmen, würde ich als fahrlässig bezeichnen!!

Für Schweizer Verhältnisse ist so eine Sanierung sicher sehr ungewöhnlich. Mit etwas mehr Weitblick hätte man sogar eine noch schönere Linie und Fels einbohren können.  Wiederholer sollten wissen auf was sie sich hier einlassen. Mit 4-5 zusätzlichen Haken wäre alles paletti gewesen. Vielleicht noch etwas die Risse vom Gras befreien und dann würden sich sicher die Flechten und der Rest im Laufe der Zeit abklettern. In dieser Form wird allerdings die Route vermutlich weitere 40 Jahre in einen Dornröschenschlaf fallen, genau wie zu Zeiten nach der Erstbegehung. Jammerschade um das ganze Felspotenzial. Wenn also sanieren, dann doch bitte sinnvoll, so daß gefährliche Unfälle vermieden werden. Ansonsten doch vielleicht lieber clean lassen. Denn auf die paar Bohrhaken hätte man verzichten und den Rest auch noch mit Friends erledigen und absichern können.

Übrigens wurden die alpinhistorischen Schwierigkeitsgrade bei der Veröffentlichung kommentarlos belassen.  Hier kann man gut und gerne einen ganzen Grad draufrechnen. Als empfohlenes Kletterniveau würde ich den VII. Grad, sowie ausreichend Erfahrung im Umgang mit Friends und brüchigem Gestein empfehlen.

Viel Spaß beim Wiederholen!

Volker Roth

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Roland Kernen (Freitag, 17 Juli 2020 12:33)

    Salü. An und für sich begrüsse ich eine Diskussion über Stil und Ethik. Macht dies aber bitte nicht im öffentlichen Raum des Internets sondern wendet euch an die Sanierer und diskutiert es direkt mit ihnen. Sonst bringt es nichts und ihr begebt euch mit euren Kommentaren aufs Niveau der Sanierer. Ich bin selber Erschliesser und Erstbegeher und mag solche Sanierungen auch nicht. Am wenigste mag ich aber diese Art von Kritik. Nicht zielgerichtet ohne Einbezug der Betroffenen. Bringt nichts nützt nichts. Letztendlich wisst ihr nicht warum es schlecht saniert ist, sonder nur das es so ist. Gruss Roland Kernen
    PS nach hunderten von SL welche ich gebohrt habe, frage ich mich immer öfter, warum bohren all die Kommentatoren und Kritiker aus dem Internet nicht einfach selber tolle Routen. Fels hat es genug. Bohrt dort eine neue Route. Die alte wird eh nicht geklettert und wird bald in Vergessenheit geraten. Manchmal entferne ich sogar alte Routen von mir um etwas schöneres zu bohren. Jeder bohrt mal Scheiss, kann ja passieren.

  • #2

    Admin (Volker) (Freitag, 17 Juli 2020 12:46)

    Danke Roland für deinen Kommentar. Ich kenne leider die Sanierer nicht und konnte somit keinen Kontakt aufnehmen. Aber das habe ich auch in der Vergangenheit öfter probiert und nur Spott oder Häme und Unverständnis geerntet.
    Ich habe selbst einige Routen eröffnet und weis also wovon ich spreche.
    Gerne können einige davon bei unseren Gratis Topos eingesehen werden und freuen sich sicher über eine Wiederholung. Sie wurden alle "Semi-Plaisir" eingerichtet, mit Spielraum für eigenverantwortliche Absicherung. Viele Grüße und einen tollen Sommer
    Volker

topoguide.de - Das Portal für Mehrseillängenrouten in den Alpen und in Korsika. In unseren Büchern und auf dieser Seite erhaltet ihr Infos zu fast 1000 Routen aus erster Hand. Dazu informative Beiträge in unserem topoguide-Magazin zu verschiedenen Themen des Klettersports. Gebietsvorstellungen und vieles mehr rund ums Sportklettern in Europa.

Social Media

FACEBOOK
FACEBOOK
INSTAGRAM
INSTAGRAM
YOUTUBE
YOUTUBE