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Sperrungen im Frankenjura - 10 Jahre oder lebenslänglich?

Anzahl gesperrter Felsen 1995 - ca. 20

2020 sind es bereits über 50!

 

Sperrungen erfolgen inzwischen nicht mehr nur wegen Vogelschutz. Es  gibt einige Gründe mehr, warum Felsen unter dem Deckmantel des Naturschutzes oder sogar wegen Corona gesperrt werden. Vieles ist an den Haaren herbeigezogen, anderes hat triftige Gründe.

 

Fakt ist: Viele Kletterer haben sich in den letzten Jahren daneben benommen. Zufahrten wurden zugeparkt, Müll zurückgelassen, lautes Kindergeschrei und Hundegebell. Zugeschissene Wälder, zertrampelte Wege. Das macht kein Mensch mit, zumal sich große Areale und Felsen hier im Privatbesitz befinden. Die Geduld ist am Ende oder zumindest bis zum Bersten gespannt.

 

An vielen Orten sind Kletterer schon lange nicht mehr gerne gesehen. Zumal sie sich oft nicht gerade wie Gäste benehmen. Und so wurde kurzerhand nahezu das komplette Ziegenfeldertal fürs Klettern gesperrt. Zumindest aber die Parkplätze. Glücklicherweise gibt es in Bayern (noch) ein Betretungsrecht der Natur. Man muss wohl künftig halt nur etwas weiter laufen. Aber es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die letzten tollen Felsen für lange Zeit verloren sind.

Anderen Ortes wie in Hartenstein haben Kletterer im Leichenschauhaus übernachtet, sich dort gewaschen, hinter die Friedhofsmauer gekackt und die Straße zugeparkt. Bei teilweise über 50 Leuten entsteht eben ein entsprechender Lautstärkepegel. Hier wird keine Rücksicht auf Verluste genommen. Schon seit Jahren! Der Sturm "Sabine" kam da dem Grundbesitzer gerade recht für eine Sperrung.

Als das Freudenhaus eingebohrt wurde kam Herr Sponsel immer mal zu einem Plausch vorbei. Bis seine Einfahrt ständig zugeparkt wurde, sich braune Haufen hinter seinem Holzstapel türmten und alles verschmutzt war. Dort nistet kein Vogel und Kletterer müssen sich jetzt eine andere schöne Winterwand suchen, von denen es nur wenige in dieser Kategorie gibt.

In Stadelhofen wissen sich die Menschen auch nicht mehr zu helfen und schlagen Alarm. Sie waren den Kletterern noch nie sehr wohlgesonnen. Es sind einfach zu viele, die sich auf nur wenige Felsen verteilen.

Doch die Ursprünge und Gründe sind, zumindest teilweise, ganz wo anders zu suchen:

Schon vor über 25 Jahren habe ich versucht den einheimischen Einbohrern und den Verantwortlichen der IG-Klettern zu erklären, dass es bei der steigenden Zahl an Kletterern irgendwann zu Problemen kommen muss, weil es viel zu wenige vernünftig abgesicherte Routen gibt. Sie argumentierten, dass mit schlechter Absicherung wohl weniger Kletterer kämen. Inzwischen sind sie eines Besseren belehrt worden.

Die wenigen gut abgesicherten Felsen werden nun seit einigen Jahren geradezu überrannt. Das macht kein Einheimischer und Grundbesitzer lange mit. Bisher hatten die Franken lange Geduld. Doch an Beispielen wie dem Freudenhaus, Hartenstein oder jüngst an der Förstelsteinkette werden die Probleme offenkundig. Zugeschissene Wälder, rücksichtsloses, lautes Verhalten, insbesondere mit Hunden und Kindern. Über Futterwiesen und Felder trampeln, usw. Das ist das Spiegelbild unserer Gesellschaft! Wer übernimmt künftig hier die Erziehung? Die Kinder und künftigen Generationen können nichts dafür, wenn sie es von den Eltern so vorgelebt bekommen.


Dazu noch die Sperrungsproblematik. Inzwischen sind alle hohen Felsen fast ausnahmslos gesperrt. Die Falken vermehren sich wie die Kanickel und inzwischen werden sogar Teilbereiche wegen Feldermäusen gesperrt. (Feldermaus - Corona? Da war doch was?) Wo bleibt hier bitte der Mensch? Es kann nicht sein, dass für den Job von 5-10 Naturschutzbeamten tausende Kletterer aus der Natur ausgesperrt werden. Um Vogel- oder Artenschutz geht es hier schon lange nicht mehr!
Dazu noch die sinnlose Zone 2 Regelung der IG-Klettern.
Was soll man dazu noch sagen...?

 

Vielleicht würde es auch eine Art Gefängnisstrafe  tun, sprich Felsen, je nach "Schwere des Vergehens " 5 bis 10 Jahre sperren, bis sich die Gemüter beruhigt haben und dann wieder auf Bewährung freigeben.


Des weiteren könnte man doch wenigstens 1-2 Felsen pro Jahr nach und nach vernünftig einrichten. An den über 1000 Felsen sind doch noch mehr als genug schlecht gesicherte Denkmalrouten für die Dustdiverfreunde vorhanden.
Sind 5000-7000 schlecht gesicherte Routen für die fränkischen Traditionalisten nicht genug? Nach teilweise 20-40 Jahren, in denen sich die Routen inzwischen renaturierten, sollte das doch nun wirklich kein Problem sein.

 

Die von der IG und vielen Locals, im November 2002 in Kalchreuth verbrieften Erstbegeherrechte müssen nach einer ganzen Generation endlich mal "gelöscht" werden! Der Fels ist ein Allgemeingut und als solches zu behandeln! Es kann nicht sein, das eine einzelne Person auf Lebzeiten ein Recht darauf hat, wie dieser abgesichert ist und ob dort neue Routen dazugebohrt werden oder nicht.

 

Mit Frankenplaisir könnt ihr euch engagieren. Sind wir viele, haben wir eine Stimme und Chance, um gehört zu werden! Ansonsten wird der Klettersport hier weiter zurückgedrängt, wie in vielen anderen deutschen Gebieten. "heimatnahes Klettern" wird dann nur noch in Kalymnos, Spanien, Italien, etc. möglich sein. Sofern wir Corona überleben und die Grenzen sich wieder öffnen.

Wollen wir das wirklich?


Also Daumen hoch auf facebook und Co! Und engangiert euch! Es geht um eure Zukunft und das Klettern in Franken.

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Kommentare: 2
  • #1

    Dieter Klingler (Sonntag, 10 Mai 2020 21:39)

    Ich stimme dir absolut zu. Warum soll sich jemand in einem Sportklettergebiet schwer verletzen bei einem Grounder vor dem 1. Haken oder wegen großen Hakenabständen?
    Mut und Moral beweisen kann ich an der Dru oder Marmolada.

  • #2

    Volker Roth (Montag, 11 Mai 2020 09:47)

    so ist es!

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