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Nachdem die fleißigen Erschließer Jürg von Känel und Kaspar Ochsner nicht mehr leben, scheint es in der Schweiz ruhiger
geworden zu sein. Oder es wird einfach nicht mehr so viel veröffentlicht. Auch von den unermüdlichen Remy-Brüdern hört man nur noch wenig. Mag sein, dass dies am Alter liegt, schließlich ist das Einrichten von
Alpinrouten harte Knochenarbeit. Und sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, ist nicht Jedermanns Sache. Darüber hinaus ist auch noch etwas Glück nötig, um ein schönes Stück Fels zu entdecken. Aber davon hätten
die Schweizer ja eigentlich genug. Neben einigen Neutouren haben wir aber auch Altbewährtes nachvollzogen. Leider mussten wir aufgrund des
vielen unstabilen Wetters lang ersehntes wieder verschieben, anderes ist uns aber dann doch im Laufe der Jahre geglückt. So haben wir beispielsweise einige Wenden- und Nufenentouren auf den „neuesten Stand“ gebracht, und als ganz besonderen Leckerbissen diverse Tourenvorschläge rund um die fantastische Gelmerhütte
aufbereitet, die wir jedem ans Herz legen können.Wer im Bergell unterwegs ist und Lust hat, mal abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs zu sein,
dem sei das Val Lanterna
wärmstens empfohlen. Dort wurde in den letzten Jahren eine stattliche Anzahl an plaisirverdächtigen Touren eingerichtet. Nach wie vor gelten die Touren an den Wendenstöcken
als Inbegriff moderner alpiner Sportkletterei. Wer hier eine Tour eröffnet oder geklettert hat, demonstriert seine physische und psychische Leistungsfähigkeit. Für viele „Helden der Vertikalen“ gelten sie als Mythos und Kultstätte, als Flaniermeile der Extremen – anders lässt sich sonst unserer Meinung nach nicht erklären, warum das durchaus schöne Gestein einer breiteren Masse vorenthalten werden soll. Je mehr Anwärter scheitern und aufgeben, desto höher steigt wohl der Marktwert derer, die sich hochgefürchtet haben, egal, in welchem Stil. Es ist eben ein exquisites Vergnügen, hier klettern zu dürfen. Ob es an manchen Stellen nicht etwas weniger Risiko auch getan hätte? Das einmalige Ambiente und den Charakter der Kletterei hätte wohl auch eine intelligentere Absicherung kaum verändert. Wer die Herausforderungen und Risiken bewusst annimmt und nach seiner alpinen Grundausbildung den Meisterbrief bereits in der Tasche hat, wird allerdings mit Eindrücken belohnt, die so im Alpenraum nicht oft zu finden sind.
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