|
Nach wie vor ist die Mont-Blanc-Region mit ihren fantastischen Rissklettereien DIE Top-Kletterregion in den Alpen. Es gibt
kaum Vergleichbares, zumindest nicht für Fans selbst abzusichernder Routen. Das Ambiente und die Infrastruktur tragen natürlich ebenfalls hierzu bei. Größtes Handicap ist leider das unstabile Wetter in Verbindung mit
der exponierten westlichen Lage. Nordwest- und Westströmungen machen sich hier besonders unangenehm, oft sogar mit Schneefall bis in tiefe Lagen, bemerkbar. Wer allerdings die Geduld aufbringt, ausharrt und dann mit
nur einer Fünfsterne-Tour in der Woche zufrieden ist, wird reich mit Eindrücken belohnt, die nie mehr von der Festplatte gelöscht werden können. Erst jetzt, nach vielen Jahren ist die unermüdliche Pionierarbeit von
Michel Piola richtig zu ermessen. Sein Name bürgt für Spitzenqualität und Routen der Extraklasse. Sie sind mittlerweile weltbekannt. Die paar Ausreißer sind an einer Hand abzuzählen und bei der Vielzahl an
Erstbegehungen zu vernachlässigen. Sie wurden auch nicht weiter veröffentlicht oder gar von ihm saniert. Zumindest was die großen offensichtlichen Linien und den guten Fels betrifft, scheint allerdings auch das
Potenzial in diesem Gebiet langsam dem Ende entgegen zu gehen. Anders ist es nicht zu erklären, dass Neuerschließungen oft nicht an die Qualität der Megaklassiker heranreichen. Trotzdem haben auch diese Kletterstellen,
die pulsbeschleunigend wirken. Leider gibt es nur wenige Kollegen, die es schaffen, ähnliches zu leisten. Es gibt Erstbegeher, von denen wir sage und schreibe alle Touren abgebrochen oder erst gar nicht
begonnen haben, was zum einen an der schlechten Absicherbarkeit in Verbindung mit den alten Bohrhaken und zum anderen an gnadenloser Unterbewertung in Kombination mit grottenschlechten Topos liegt. Die Messlatte liegt
hier eben nahezu konkurrenzlos hoch. |