Nach wie vor befinden wir uns in den Dolomiten noch in der Steinzeit des Alpinismus.
Traditionalisten verwenden wie eh und je ihre Schlaghaken, Sanierungen werden nicht geduldet und Bohrhaken auch aus Neuerschließungen entfernt. Nur die Qualität der Informationen hat sich deutlich verbessert, wenngleich
die alte Dolomitenschwierigkeitsskala nach wie vor für den einen oder anderen Schenkelklopfer sorgt.
Gespannt darf man sein, wie sich die Situation in den Klassikern weiterentwickelt. Wie viele Unfälle
noch passieren müssen, bevor sich die Vernunft wie in anderen Gebieten durchsetzt und wenigstens die Stände und einige neuralgische Zwischenhaken zumindest in den großen, viel begangenen Klassikern gebohrt werden. Für
den Abenteuerkletterer verbleiben doch immer noch 98 % der restlichen Touren! Sollte das nicht reichen? Ganze 2 % sind Bohrhakentouren. Wo bitte ist hier das Problem der Traditionalisten, dies nicht akzeptieren zu
können?
Wie jeder unschwer feststellen kann, haben wir im Gegensatz zu unserem ersten Band nur noch wenige ausgewählte Routen dieser Region hier vorgestellt. Das liegt zum einen daran, dass wir nur noch
ganz wenige lohnende Klassiker mit gutem Fels und adäquater Absicherbarkeit gefunden haben und die Bohrhakenerschließer entweder müde wurden oder die Nase voll haben von den andauernden Querelen. Andere wiederum bohren
Touren mit unseriös weiten Abständen, so dass diese ebenfalls kaum Wiederholer finden dürften.
Eigentlich schade, dass nicht mehr aus diesem riesigen Felspotential gemacht wird. Aber die nächsten
Generationen – sofern sie denn noch dem Klettersport frönen – werden sich sicher freuen.
Erst im Zeitalter der Bohrmaschine wurde, von ein paar alten Klassikern mal abgesehen, das edle Felsmaterial
an den