|
Ganz so paradiesisch, wie es die Vorschusslorbeeren vermuten lassen, ist die Tour leider nicht. In den ersten drei bis
vier Seillängen sorgen Moospölsterchen für lang anhaltend nassen Fels, und auch die Absicherung erlaubt keinen stressfreien Klettergenuss. Darüber hinaus waren die Schwierigkeitsangaben der Erstbegeher wohl kaum für
eine durchgehend freie Begehung gedacht. Wir haben diese teilweise um einen ganzen Grad erhöht! Entgegen aller Informationen ist die Route nur teilsaniert – abwechselnd mit einem neuen Inoxbohrhaken und dazwischen die
alten gefährlichen und verrosteten Ringbohrhaken, die sich nunmehr farblich kaum vom Fels abheben. Um so manchen Haken zu lokalisieren wäre ein Fernglas hilfreich. Ab dem Mittelteil gibt es sogar nur noch je einen
sanierten Bohrhaken an den Ständen. Richtung Ausstieg steckt dann fast gar nichts mehr, und die Felsqualität nimmt stetig ab, so dass die Erinnerung an die schönen Seillängen im Mittelteil schnell verblasst. Gerade dort
ist der Fels teilweise hervorragend und lässt fast vergessen, dass man in einer ausgesprochenen Plattentour unterwegs ist. Beeindruckend ist auch das Ambiente in dieser Riesenplattenflucht, wo sich die Blicke gerne mal
in Raum und Zeit verlieren. Die Dimensionen dieser Wand sind für das Auge völlig verzerrt und irrational. Mittlerweile könnte zwar über die Tour abgeseilt werden, was jedoch nur anzuraten ist, wenn der
Serac am Einstiegsband ganz verschwunden oder wirklich gefahrlos zu „hintergehen“ ist. Bei warmen Temperaturen besteht je nach dessen Zustand Lebensgefahr! Leider mussten wir einen tragischen Unfall selbst mit ansehen.
Bei dem großen Andrang zum heute üblichen Cassin-Einstieg wäre ein Fixseil oberhalb des Seracs längst überfällig – oder aber ein Hinweis auf der Hütte, vielleicht doch besser den Originaleinstieg über den
Cengalogletscher zu benutzen, wenn die Verhältnisse es erfordern. Natürlich dann mit dem entscheidenden Nachteil, das Gletschergerödel durch die Tour zerren zu müssen. Die Bequemlichkeit der meisten, die somit zu einer
erhöhten Risikobereitschaft führt, wird dies jedoch sicher zu verhindern wissen. Schwierigkeit:VII+ (VII obl.) Kletterlänge: 515 m, 5-6 Std. |