|
50 Seillängen, 2 Tage Klettern inklusive Abstieg, eine Tour für alle die es lang und anstrengend mögen. Das Ambiente kann
wohl nur noch durch Touren an den benachbarten Frêney- oder Brouillardpfeilern getoppt werden. In allen bisherigen Publikationen wird als Kletterzeit 7-10 Stunden angegeben. Vielleicht hat dies Rebuffat in seinen besten Zeiten geschafft, der „Ottonormalkletterer“ wird darüber jedoch nur staunen können, denn die sind schon bis zur Pte. Welzenbach
nötig – und das ist gerade mal die Hälfte des Anstiegs. Wer hier einsteigt, sollte sich auch ohne langes Topostudium zurechtfinden und einen guten Instinkt für die richtige Routenwahl beweisen. Speedklettern ist
Pflicht, möchte man in einem Tag den Gipfel erreichen. Vom Abstieg am gleichen Tag kann man zwar träumen, tatsächlich werden das aber nur gleichzeitig kletternde Seilschaften oder Solisten schaffen, was die Kommentare
im Hüttenbuch bestätigen. Nicht selten haben Seilschaften zweimal biwakiert. Immerhin gibt’s reichlich gute Biwakplätze, doch wer sich allzu früh zur Ruhe begibt, bekommt beim Weiterweg am nächsten Morgen – vor allem
bei unsicherem Wetter – erneut Zeitdruck, rechtzeitig vor Dunkelheit die Hütte zu erreichen, denn die gleichen Höhenmeter wollen auch wieder über den Ostgrat abgestiegen werden. Die Kletterei beginnt anspruchsvoll:
nur mit Haken abzusichernde, grasdurchsetzte und zum Teil brüchige kompakte Platten und das bei einer nicht ganz einfachen Routenfindung. Nach der „Pte. Bifide“ werden die Kletterei, der Fels und auch die
Sicherungsmöglichkeiten immer besser, im oberen Teil einfach traumhaft, leider bleibt nur wenig Zeit zum ausgiebigen Genießen. Mit entsprechender Erfahrung und Ausdauer wird die Tour ein eindrückliches und
großartiges Erlebnis in einer wilden alpinen Umgebung. Wer der Sache nicht gewachsen ist, könnte hier sein „Waterloo“ erleben! |